Studie 2026: Paracetamol in der Schwangerschaft & Autismusrisiko

Seit Jahren kursiert das Gerücht, Paracetamol in der Schwangerschaft könne das Autismusrisiko erhöhen. Im vergangenen September griff auch der amtierende US-Präsident Donald J. Trump diese Behauptung auf und sorgte damit erneut für Verunsicherung bei vielen Schwangeren. Eine aktuelle Studie hat die Datenlage nun noch einmal umfassend geprüft und kommt zu einem klaren Ergebnis: Die Einnahme von Paracetamol in der Schwangerschaft erhöht das Risiko für Autismus nicht.

Bisher wurde Paracetamol in der Schwangerschaft empfohlen

Viele gängige Schmerzmittel fallen in der Schwangerschaft weg oder dürfen nur sehr eingeschränkt verwendet werden. Entzündungshemmende Medikamente wie Ibuprofen oder Diclofenac kommen nur in bestimmten Phasen infrage und sind später in der Schwangerschaft tabu. Stärkere Schmerzmittel sind ebenfalls keine Lösung für Alltagsbeschwerden.

Paracetamol nimmt deshalb eine besondere Rolle ein. Es wirkt schmerzlindernd und fiebersenkend, ohne entzündungshemmend zu sein, und gilt seit Jahrzehnten als das Mittel der Wahl, wenn Schwangere Medikamente benötigen. Gerade bei Fieber ist das wichtig, denn unbehandeltes Fieber kann für Mutter und Kind problematisch werden.

Wenn ein Medikament, auf das viele Schwangere angewiesen sind, vom US-Präsidenten infrage gestellt wird, entsteht schnell Unsicherheit. Umso wichtiger ist es, zwischen berechtigter Vorsicht und unbegründeter Angst zu unterscheiden.

Warnung vor Parcetamol

In seiner Pressekonferenz im vergangenen September bezog sich der amtierende US-Präsident Donald J. Trump auf das Schmerzmittel Tylenol. Er warnte davor, dieses Medikament während der Schwangerschaft einzunehmen, da es seiner Aussage nach mit einem erhöhten Autismusrisiko verbunden sei.

Tylenol ist jedoch kein eigenständiger Wirkstoff, sondern ein Markenname. Das Medikament enthält Acetaminophen. Unter diesem Namen ist der Wirkstoff in den USA bekannt und weit verbreitet. In Europa wird dieselbe Substanz unter dem Namen Paracetamol geführt. Zusammensetzung, Wirkung und Einsatzgebiet sind identisch.

Aus Trumps Aussagen lässt sich daher schließen, dass sich seine Warnung nicht auf das Medikament Tylenol, sondern auf den Wirkstoff Paracetamol bezieht.

Paracetamol in der Schwangerschaft unter Autismus-Verdacht

Auch wenn die Aussagen des US-Präsidenten häufig etwas verrückt klingen, so enthalten sie dennoch meistens einen Funken Wahrheit. So bezieht er seine Warnung vor Tylenol vermutlich auf ältere Beobachtungsstudien, die sich mit der Einnahme von Paracetamol in der Schwangerschaft beschäftigt haben.

In einigen dieser Untersuchungen zeigten sich statistische Auffälligkeiten. Denn Kinder von Frauen, die während der Schwangerschaft Paracetamol eingenommen hatten, wiesen in bestimmten Auswertungen häufiger Entwicklungsbesonderheiten wie Autismus oder ADHS auf. Diese Ergebnisse wurden in der Vergangenheit immer wieder aufgegriffen und trugen dazu bei, Zweifel an der Sicherheit des Wirkstoffs zu schüren.

Doch bei genauerer Betrachtung zeigen diese Studien deutliche Schwächen:

  • Die Einnahme von Paracetamol in der Schwangerschaft wurde oft rückblickend erfasst und beruhte auf Erinnerungen der Mütter.
  • Angaben zu Dosis, Dauer und Zeitpunkt fehlten häufig oder waren ungenau.
  • Wichtige Einflussfaktoren wie Fieber, Infekte, Schmerzen oder genetische Veranlagungen ließen sich nicht sauber trennen.

Genau hier liegt der Kern des Problems, denn Paracetamol wird meist nicht grundlos eingenommen. Häufig sind Fieber oder Erkrankungen der Auslöser. Diese können selbst Einfluss auf die Entwicklung des Kindes haben. Die Studien zeigten daher vor allem Zusammenhänge, aber keinen Beweis für eine Ursache. Korrelation bedeutet nicht, dass das Medikament automatisch der Auslöser ist.

Trotzdem halten sich solche Ergebnisse hartnäckig. Medizinische Themen rund um Schwangerschaft und kindliche Entwicklung sind emotional besetzt. Hinweise auf mögliche Risiken prägen sich stark ein, selbst wenn sie später relativiert oder widerlegt werden. Einmal geäußerte Sorgen verschwinden nicht automatisch, sondern tauchen in neuen Debatten immer wieder auf.

Neuste Studie zeigt keinen Zusammenhang von Paracetamol und Autismus

Um die offenen Fragen rund um das Thema Paracetamol in der Schwangerschaft und Riskiko für Autismus zu klären, hat die Wissenschaft die vorhandenen Daten noch einmal systematisch ausgewertet. Grundlage dafür ist eine neue große Meta-Analyse, die im Fachjournal The Lancet Obstetrics, Gynaecology & Women's Health veröffentlicht wurde.

Die Forscher sichteten und analysierten insgesamt 43 Studien aus verschiedenen Ländern. Anders als viele frühere Arbeiten legte die Analyse großen Wert auf eine saubere Methodik. Besonders berücksichtigt wurden sogenannte Geschwistervergleiche. Dabei werden Kinder derselben Mutter verglichen, wenn sie in unterschiedlichen Schwangerschaften einmal Paracetamol eingenommen hat und einmal nicht. Auf diese Weise lassen sich genetische und familiäre Einflüsse besser herausrechnen.

Das Ergebnis ist eindeutig:

  • Es zeigt sich kein erhöhtes Risiko für Autismus bei Einnahme von Paracetamol in der Schwangerschaft
  • Auch für ADHS oder geistige Entwicklungsstörungen fand sich kein signifikanter Zusammenhang.
  • Die Resultate blieben stabil, selbst bei langen Beobachtungszeiträumen.

Damit liefert die aktuelle Forschung eine klare Antwort auf die zuvor beschriebene Unsicherheit. Die statistischen Auffälligkeiten älterer Studien lassen sich nicht bestätigen, wenn strengere wissenschaftliche Maßstäbe angelegt werden.

Was bedeutet das für dich konkret?

Medikamente solltest du nur dann einnehmen, wenn sie wirklich nötig sind. Das gilt besonders in der Schwangerschaft. Du solltest vorab immer mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder deiner Hebamme zu sprechen. Das gilt auch für frei verkäufliche Mittel.

Gleichzeitig solltest du Fieber oder starke, anhaltende Schmerzen nicht einfach aussitzen. Beides solltest du unbedingt medizinisch abklären lassen, um mögliche Risiken für dich und dein Baby auszuschließen. Paracetamol bleibt bei der Behandlung in der Schwangerschaft eine Option, denn die aktuelle Studienlage zeigt, dass es dadurch kein erhöhtes Autismusrisiko für dein Kind gibt.

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