Digitaler Eltern-Kind-Pass: Was Eltern jetzt über die Umstellung wissen müssen
Der gelbe Eltern-Kind-Pass (ehem. Mutter-Kind-Pass) wird schrittweise digital. Künftig kannst du Untersuchungsergebnisse und weitere Gesundheitsdaten per App oder Webbrowser abrufen. Doch wann startet die Umstellung und was bedeutet sie konkret für Familien? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.
Warum wird der Eltern-Kind-Pass digitalisiert?
Seit 1974 begleitet der Eltern-Kind-Pass Familien in Österreich durch wichtige Vorsorgeuntersuchungen. Bislang werden die Ergebnisse vor allem im bekannten gelben Papierheft dokumentiert. Mit der Digitalisierung sollen die Informationen künftig zentral und unabhängig vom Heft verfügbar sein.
Eltern können Untersuchungsergebnisse und Ultraschallbilder dann online abrufen. Eine Erinnerungsfunktion soll außerdem dabei helfen, anstehende Untersuchungen rechtzeitig im Blick zu behalten. Gleichzeitig kann der Pass nicht mehr verlegt, verloren oder beschädigt werden.
Brauche ich für den elektronischen Eltern-Kind-Pass eine App?
Für die Nutzung des elektronischen Eltern-Kind-Passes musst du nicht zwingend eine App auf deinem Smartphone installieren. Geplant ist zwar eine kostenlose Eltern-Kind-Pass-App für Android und iOS, alternativ kannst du aber auch über einen Webbrowser auf die digitale Version zugreifen. Das ist beispielsweise praktisch, wenn du deine Daten lieber am Laptop oder Computer einsehen möchtest.
Für den Zugang benötigst du eine ID Austria. Sie dient als digitaler Identitätsnachweis und ermöglicht eine sichere Anmeldung. Nach dem Login kannst du auf die für dich hinterlegten Daten des Eltern-Kind-Passes zugreifen. Damit bist du bei der Nutzung nicht an ein bestimmtes Gerät gebunden.
Was passiert mit meinen Daten?
Im Eltern-Kind-Pass werden sensible Gesundheitsinformationen gespeichert. Entsprechend wichtig ist der Schutz dieser Daten auch bei der digitalen Version.
So werden deine Daten geschützt
- Die Informationen werden verschlüsselt gespeichert.
- Nur berechtigte Personen können auf die hinterlegten Daten zugreifen.
- Deine Gesundheitsinformationen bleiben digital verfügbar und können nicht zusammen mit einem Papierheft verloren gehen.
Die Digitalisierung soll damit nicht nur den Zugriff erleichtern, sondern auch verhindern, dass wichtige Einträge durch einen verlorenen oder beschädigten Pass nicht mehr zur Hand sind.
Ab wann gilt der digitale Eltern-Kind-Pass?
Die Umstellung auf den elektronischen Eltern-Kind-Pass erfolgt nicht von heute auf morgen. Ursprünglich sollte die Digitalisierungbereits Anfang 2026 starten. Inzwischen wurde der Zeitplan angepasst und die Einführung erfolgt in mehreren Schritten.
Die wichtigsten Termine im Überblick
- Oktober 2026: Das erweiterte Untersuchungsprogramm des Eltern-Kind-Passes tritt in Kraft.
- Oktober 2027: Die verpflichtende elektronische Speicherung gilt für Schwangerschaften, die ab diesem Tag ärztlich festgestellt werden.
- März 2028: Ab diesem Zeitpunkt gilt die Regelung auch für neugeborene Kinder.
Für Familien gibt es somit keinen einzelnen Stichtag, an dem das gelbe Heft für alle verschwindet. Stattdessen erfolgt die Umstellung schrittweise. Während dieser Übergangszeit bleibt der Eltern-Kind-Pass in Papierform weiterhin relevant.
Was ändert sich schon im Oktober 2026?
Auch wenn der elektronische Eltern-Kind-Pass erst schrittweise eingeführt wird, gibt es bereits ab dem 1. Oktober 2026 Neuerungen. Dann startet das erweiterte Untersuchungsprogramm. Neu vorgesehen sind unter anderem eine zusätzliche Ultraschalluntersuchung, die Bestimmung des Rhesusfaktors im Labor, eine allgemein- und familienmedizinische Untersuchung sowie ein Gesundheitsgespräch.
Kritik am digitalen Eltern-Kind-Pass
Die Digitalisierung des Eltern-Kind-Passes wird nicht nur positiv gesehen. Kritik gibt es unter anderem daran, welche Daten künftig digital erfasst werden und wie mit sensiblen Informationen rund um Schwangerschaften umgegangen wird. So können etwa Schwangerschaften dokumentiert bleiben, auch wenn sie später durch eine Fehlgeburt enden. Das wirft Fragen dazu auf, wie lange solche besonders persönlichen Gesundheitsdaten gespeichert werden und wer darauf zugreifen kann.
Kritik kommt außerdem vom Österreichischen Hebammengremium. Dieses bemängelt, dass Hebammen bei der Ausgestaltung des elektronischen Eltern-Kind-Passes nicht ausreichend eingebunden würden und im geplanten System teilweise keine entsprechenden Schreibrechte für selbst erbrachte Vorsorgeleistungen erhalten sollen. Lisa Rakos, Präsidentin des Österreichischen Hebammengremiums, fordert daher:
„Jetzt ist der Moment, nicht nur technische Fehler zu korrigieren, sondern auch fachliche und strukturelle Fehler. Wer eine moderne Schwangerenvorsorge will, muss Hebammen endlich als das einbinden, was sie sind: zentrale Gesundheitsfachpersonen für Frauen, Kinder und Familien.“
Aus Sicht des Hebammengremiums sollte die weitere Umsetzung daher nicht nur technische Fragen lösen, sondern auch klären, welche Berufsgruppen Daten eintragen dürfen und wie Wahlfreiheit in der Schwangerenvorsorge gewährleistet werden kann.
Fazit: Digitaler Eltern-Kind-Pass
Der digitale Eltern-Kind-Pass soll Gesundheitsdaten leichter zugänglich machen und die Vorsorge übersichtlicher gestalten. Die Umstellung erfolgt allerdings schrittweise, sodass das gelbe Papierheft vorerst weiterhin eine Rolle spielt. Für den späteren digitalen Zugang benötigst du eine ID Austria; eine App ist nicht zwingend notwendig, weil der Zugriff auch über den Webbrowser möglich sein soll.
Gleichzeitig bleiben offene Fragen – etwa zum Umgang mit besonders sensiblen Gesundheitsdaten und zur Rolle von Hebammen im neuen System. Für Eltern lohnt es sich deshalb, die weitere Umsetzung und mögliche Änderungen bis zum vollständigen Start des elektronischen Eltern-Kind-Passes im Blick zu behalten.
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