Bettys Blog

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Ausgestorbene Mütter & Väter

Knallgelb stach sie mir in die Nasenflügel, heiß und lange ersehnt empfing sie mich heute Morgen mit voller Kraft: Die Sonne. Meine "hellseherischen Fähigkeiten" (oder Frühlingsfaulheit) hatte mich schon Tage davor veranlasst, diesen Tag um die Mittagszeit völlig frei zu halten. Also versprach ich meinem jüngsten Prinzen, ihn und seinen lieben Freund heute auf den Spielplatz zu entführen. Gesagt getan, ich sattelte mein Auto, gab ihm die Sporen und so ritten wir über die Weinbergstraße Richtung Schule.

Parkbank Zwei jubelnde Geschöpfe zwängten sich mit Schultaschen und Gitarren, Roller und sonstigen Firlefanzen in mein wie immer vollgerammeltes Auto und mit Vollgas (natürlich mich an die Vorschriften haltend - seit dem letzen "Polizeiüberfall") ging es zum nächsten Bäcker. Bepackt mit Semmeln, Mineral, Kipferln und Becherkaffee für mich, ging's weiter zum Spielplatz für Vorpubertierende. D. h. wir wählten den Klettergartenspielplatz im Helenental, wo schon der Kaiser mit seiner Geliebten der Sonne gefrönt hatte.

Mein Kaiser machte derweilen ein "Officehüpfen" in Wien, wie er mir telefonisch mitteilte. In 30 Sekunden waren mein Leib- und mein Leihsprössling in luftigen Höhen verschwunden, aber ich... Ich stand mit meiner - wie immer - prall gefüllten Riesenhandtasche und einem großen Kunststoffsack, einem Kaffeebecher und einem Handy, mit dem ich gerade Verhandlungen für das Wiedersehen meines Sohnes und dessen Volksschulbusenfreund führte, und dem zwischen Ring- und Mittelfinger hängenden Autoschlüssel am Spielplatzrand und suchte verzweifelt ein Plätzchen, um den gordischen Knoten meines Körpers zu lösen.

Ich drehte mich wie ein telefonierender Packesel im Kreis und suchte verzweifelt eine Sitzgelegenheit, um mein zwar üppiges, aber trotzdem empfindliches Unterteil auf einem Holzbänkchen zu parken... Eine einzige Bank weit und breit, auf der sich auch eine Mami mit Fläschchen, Wagen, und Jausensack breit gemacht hatte... und sonst nichts.

Ich konnte es nicht glauben... Eine Sitzbank! ... Gehen denn heutzutage die Kinder alleine auf den Spielplatz? Kein Wunder, dass Hochsaison für "Kinderverzahrer" (wienerischer Dialekt für Kindesentführer) ist, dachte ich so bei mir... Ach, ich hätte den Regiestuhl am Samstag im Baumax kaufen sollen, genau für diesen Zweck wollte ich ihn haben...

Nach 20 Minuten Eselpacktelefonat hatte ich endlich die Lippe frei, um zu fragen: "Brauchen Sie wirklich die ganze Bank?". Die nette Frau rückte ein wenig zusammen und ich konnte meine Arbeitsunterlagen, mein Strickzeug, den Kaffeebecher, das Jausensäckchen, meine Handtasche und meinen ach so empfindlichen "Background" auf ein Stück Holz platzieren und die letzten Sonnenstrahlen dieses Tages genießen...

Trotzdem wundere ich mich, wie man so wenig an Mütter, Omis, Papis etc. gedacht hat... ganzheitliches Denken sollte schleunigst als Unterrichtsfach in den Lehrplan integriert werden, damit sich in einigen Jahren alle Besucher an einem Spielplatz erfreuen können.

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