Nestlé & Danone: Verunreinigtes Baby-Milchpulver
Nestlé hat weltweit Säuglingsnahrung zurückgerufen. Auslöser ist der Verdacht auf eine Verunreinigung mit dem bakteriellen Toxin Cereulid, das bei Babys gesundheitliche Beschwerden verursachen kann. Der Rückruf zählt zu den größten in der Unternehmensgeschichte und wirft insbesondere Fragen zur zeitlichen Abfolge und Transparenz der Information auf. Hinweise auf das Problem lagen offenbar bereits Wochen vor der öffentlichen Warnung vor.
Warum der Rückruf besonders brisant ist
Der Rückruf von Säuglingsmilch durch Nestlé sorgt international für Aufmerksamkeit, weil gleich mehrere kritische Faktoren zusammenkommen. Säuglingsmilch ist ein Lebensmittel für die besonders empfindlichste Verbrauchergruppe. Viele Babys sind in den ersten Lebensmonaten vollständig darauf angewiesen. Schon geringe Verunreinigungen können daher gesundheitliche Beschwerden auslösen.
Brisant ist der Fall aber vor allem wegen des zeitlichen Ablaufs. Hinweise auf eine mögliche Verunreinigung lagen nach bisherigen Informationen bereits Anfang Dezember vor. Der öffentliche Rückruf erfolgte jedoch erst Anfang Jänner. In dieser Zeit konnten betroffene Produkte weiterhin im Handel sein und konsumiert werden. Gerade bei Säuglingsmilch erwarten Eltern und Behörden eine sofortige und transparente Warnung, um Risiken möglichst früh auszuschließen.
Der zeitliche Ablauf im Überblick
Der Rückruf von Säuglingsmilch bei Nestlé erstreckte sich über mehrere Wochen. Nach bisherigen, öffentlich bekannten Informationen lässt sich der Ablauf wie folgt rekonstruieren:
- Anfang Dezember 2025 entdeckte Nestlé im Rahmen interner Kontrollen Hinweise auf eine mögliche Verunreinigung mit dem Toxin Cereulid.
- Am 9. Dezember 2025 informierte der Konzern erstmals zuständige Behörden, unter anderem in den Niederlanden, über entsprechende Funde.
- Ab dem 10. Dezember 2025 starteten erste, begrenzte Rückrufmaßnahmen in einzelnen Ländern. Welche Märkte konkret betroffen waren, wurde öffentlich nicht kommuniziert.
- Am 16. Dezember 2025 wurden im EU-Schnellwarnsystem RASFF Meldungen veröffentlicht, wonach auch Proben von Säuglingsnahrung aus deutscher Produktion Cereulid-Rückstände aufwiesen.
- Erst am 5. Januar 2026 machte Nestlé den Rückruf öffentlich und informierte Verbraucher umfassend über betroffene Produkte.
Diese zeitliche Abfolge ist zentral für die aktuelle Kritik, da zwischen den ersten internen Hinweisen und der öffentlichen Warnung mehrere Wochen lagen.
Wie groß das Ausmaß des Rückrufs ist
Nach öffentlich zugänglichen Angaben handelt es sich beim Rückruf um Säuglingsnahrung von Nestlé, die vorsorglich vom Markt genommen wurde. Konkrete, öffentlich bestätigte Aufstellungen aller betroffenen Einzelprodukte liegen bislang nicht vollständig vor. In Berichten ist von mehr als 800 Produkten und Chargen die Rede, die aus über zehn Produktionsstandorten stammen sollen.
Der Rückruf betrifft nach aktuellen Informationen rund 60 Länder weltweit. Schweizer Medien bewerten das Ereignis vor diesem Hintergrund als den größten Rückruf in der Unternehmensgeschichte von Nestlé. Eine detaillierte, länderübergreifende Liste aller betroffenen Produkte wurde bislang nicht veröffentlicht.
Neben Nestlé sind auch andere Hersteller von Säuglingsnahrung von Rückrufen betroffen. So haben Danone und Lactalis in mehreren Ländern Rückrufe einzelner Produkte angekündigt. Die Maßnahmen stehen ebenfalls im Zusammenhang mit dem Verdacht auf eine mögliche Verunreinigung mit Cereulid.
Ursache der Verunreinigung
Nach dem derzeit öffentlich bekannten Stand richtet sich der Verdacht nicht auf die fertigen Produkte der Babynahrungshersteller, sondern auf eine einzelne Zutat innerhalb der Lieferkette. Medienberichten zufolge steht Ara-Öl mit Arachidonsäure im Fokus der Untersuchungen. Diese Zutat wird in der Herstellung bestimmter Säuglingsnahrungen eingesetzt.
Das betreffende Ara-Öl stammt demnach aus internationalen Rohstofflieferketten, über die mehrere Hersteller beliefert wurden. In diesem Zusammenhang prüfen Behörden und Unternehmen, ob es bei der Gewinnung, Verarbeitung oder Weiterverteilung des Rohstoffs zu einer Verunreinigung gekommen sein könnte.
Die Ermittlungen sind bislang nicht abgeschlossen. Eine abschließende Klärung der genauen Herkunft und des Zeitpunkts der Kontamination steht noch aus.
Lage in Österreich
In Österreich gab es zunächst keine öffentliche Warnung. Nachdem in anderen Ländern erste Rückrufe bekannt wurden, nahm foodwatch Österreich direkt Kontakt mit der österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit auf. Zu diesem Zeitpunkt teilten die Behörden mit, es bei den verunreinigten Produkten keinen Bezug zu Österreich gäbe.
Erst Anfang Jänner 2026 wurde der Rückruf auch hierzulande öffentlich kommuniziert. Später erklärte das Gesundheitsministerium, dass Hinweise auf eine mögliche Kontamination schon vor den Weihnachtsfeiertagen bekannt gewesen seien. Publik gemacht wurde der Rückruf jedoch erst mit Verzögerung.
Aktuell liegen keine bestätigten Erkrankungsfälle im Zusammenhang mit den zurückgerufenen Produkten in Österreich vor. Allerdings beobachten die zuständigen Stellen die Lage weiterhin angespannt.
Was ist Cereulid?
Cereulid ist ein bakterielles Toxin, das vom Keim Bacillus cereus gebildet wird. Es gilt als besonders problematisch, weil es hitzestabil ist und auch durch starkes Erhitzen oder Abkochen nicht zuverlässig zerstört wird.
Gelangt Cereulid in Lebensmittel, bleibt es daher auch nach der Verarbeitung wirksam. Bei Säuglingen können bereits geringe Mengen Erbrechen, Durchfall, ungewöhnliche Müdigkeit oder Unruhe auslösen, da ihr Verdauungssystem noch nicht vollständig entwickelt ist.
Eltern sollten daher aufmerksam handeln und folgende Punkte beachten:
- betroffene Produkte nicht weiter verwenden
- das Baby auf mögliche Symptome beobachten
- offizielle Rückruflisten von Herstellern und Behörden regelmäßig prüfen
Konsequenzen und offene Fragen
Der Rückruf von Säuglingsnahrung hat eine breite Diskussion über den Umgang mit Risiken ausgelöst. Im Mittelpunkt steht die Kritik an der verzögerten öffentlichen Information, obwohl Hinweise auf mögliche Probleme bereits früh vorlagen. Gerade bei sensiblen Produkten wie Säuglingsmilch wird eine schnelle und transparente Kommunikation erwartet.
Zugleich werden strengere Meldepflichten und klarere Vorgaben für Hersteller und Behörden gefordert, um vergleichbare Fälle künftig schneller öffentlich zu machen. Offen bleibt zudem die Vertrauensfrage. Laufende Untersuchungen sollen klären, wie es zu der Verunreinigung kommen konnte und ob bestehende Kontroll- und Informationssysteme ausreichend sind.
Update 9. Februar 2026: Mittlerweile wurde bekannt, dass auch der Hersteller Danone laut Foodwatch Aptamil- und Milumil-Chargen zurückgerufen hat. Die genauen Chargen findest du hier.
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