ADAC und ÖAMTC Kindersitztest Herbst 2026: Zwei Modelle fallen durch

Zwei Kindersitze fallen beim Herbsttest 2026 von ADAC und ÖAMTC durch. Beim Frontalaufprall zeigten sich Sicherheitsmängel, auf die beide Hersteller inzwischen reagiert haben. Andere Modelle schneiden deutlich besser ab. Wir zeigen dir, welche Sitze betroffen sind, welche Alternativen überzeugen und ob der Preis beim Kauf eine Rolle spielen sollte.

ADAC und ÖAMTC Kindersitztest Herbst 2026: Zwei Modelle fallen durch

Beim Aufprall hielten Gurtschloss und Sitzschale nicht stand

Das Gurtsystem soll ein Kind bei einem Unfall sicher im Sitz halten. Beim Britax Römer Baby-Safe Pro auf der Vario Base 5Z gelang das im Test nicht: Das Schloss öffnete sich, der Dummy flog aus der Babyschale. Geprüft wurde die Kombination in Liegeposition.

Beim Axkid Minikid Core versagten gleich mehrere Bauteile. Während des Frontalaufpralls drückte das Untergestell auf die Entriegelung des Stützfußes. Dieser fuhr ein. Anschließend brach die Schale am Gurtschloss, das aus seiner Verankerung riss. Auch diesen Sitz hatten die Prüfer in Liegeposition getestet, mit einem 23 Kilogramm schweren Dummy. Im Bezug wiesen sie außerdem Flammschutzmittel nach, die im Verdacht stehen, Krebs zu begünstigen.

Für beide Modelle steht damit die Gesamtnote 5,5 fest. Das entspricht beim ADAC einem „mangelhaft“ und beim ÖAMTC einem „nicht genügend“.

Wichtig: Beide Hersteller haben Rückrufaktionen gestartet. Britax Römer ruft betroffene Baby-Safe-Pro-Babyschalen aus dem Produktionszeitraum vom 26. Dezember 2025 bis zum 30. September 2026 zurück. Axkid hat den Verkauf des Minikid Core gestoppt und tauscht ihn kostenlos gegen einen Minikid 4 Pro aus. Wende dich an den Hersteller oder deinen Händler, wenn du eines dieser Modelle nutzt. Mehr zum Rückruf liest du hier. .

Welche Modelle schützen Babys und Kleinkinder gut?

Sieben Modelle erreichen im Herbsttest ein „gut“. Bei den Babyschalen liegt Maxi-Cosi vorne, bei den Sitzen für Kleinkinder führt Recaro. Auch für größere Kindergartenkinder gibt es eine gut bewertete Option.

Empfehlenswerte Modelle von der Geburt bis zum Kindergartenalter

  • Maxi-Cosi Coral Slide Pro + FamilyFix Slide Pro: Bestes Gesamtergebnis mit der Note 2,1. Die Babyschale passt für 40 bis 87 Zentimeter und kostet rund 570 Euro.
  • Cybex Cloud G3 + Base G3: Note 2,2 für die Kombination zum Testpreis von etwa 460 Euro. Zugelassen für Babys von 40 bis 87 Zentimetern.
  • Joie i-Gemm 3 + i-Base Encore: Ebenfalls Note 2,2, mit rund 330 Euro jedoch deutlich günstiger. Geeignet für 40 bis 85 Zentimeter.
  • Recaro Toron 1: Mit 2,3 der bestbewertete Sitz für Kleinkinder dieses Herbsttests. Er deckt 40 bis 105 Zentimeter ab, ungefähr von der Geburt bis zum vierten Geburtstag. Preis: etwa 550 Euro.
  • Cybex Sirona G3 + Base G3: Gesamtnote 2,5 für Kinder von 61 bis 105 Zentimetern. Die Kombination kostet rund 500 Euro.
  • Maxi-Cosi MobiFix Pro: Note 2,5 und ein Größenbereich von 61 bis 125 Zentimetern. Der ausschließlich rückwärtsgerichtete Sitz eignet sich damit auch für größere Kindergartenkinder. Preis: etwa 550 Euro.

Tipp: Vergleiche bei modularen Systemen den Gesamtpreis aus Sitz und passender Basis. Eine vorhandene Basis kannst du für den Folgesitz nur weiterverwenden, wenn der Hersteller diese Kombination ausdrücklich freigibt.

Für Schulkinder: Kein Kindersitz mit der Gesamtnote „gut“

Bei den Sitzen für größere Kinder fällt die Bilanz ernüchternd aus. Im Herbsttest stehen zwei Modelle für eine Körpergröße von 100 bis 150 Zentimetern zur Wahl. Beide verpassen eine gute Gesamtbewertung.

Der Lionelo Neal i-Size kostet rund 100 Euro und erhält die Note 3,5 („befriedigend“). Beim Front- und Seitenaufprall bot der Sitz allerdings nur durchschnittlichen Schutz. Hinzu kamen erhöhte Schadstoffwerte im Bezugsstoff.

Preislich günstiger ist der Joie i-Provo mit etwa 65 Euro. Seine Schwächen beim Seitenaufprall führen allerdings zur Gesamtnote 3,6. Beim ÖAMTC entspricht das einem „genügend“.

Tipp: Such dir ein gutes Modell aus dem Vorjahr, denn du musst dich nicht auf die aktuelle Testrunde beschränken. Der Britax Römer Kidfix Pro erreichte im Herbst 2025 die Note 1,8 („gut“). Er ist ebenfalls für 100 bis 150 Zentimeter zugelassen und kostete zum damaligen Testzeitpunkt rund 220 Euro.

Neue Prüfbedingungen: Warum das Testjahr wichtig ist

Ein gut bewerteter Sitz aus dem Jahr 2025 kann eine sinnvolle Alternative zu den aktuellen Modellen sein. Beim zuvor genannten Britax Römer Kidfix Pro wurde bereits nach dem strengeren Prüfverfahren getestet, das ADAC und ÖAMTC seit 2025 anwenden. Seine Note lässt sich deshalb mit den Ergebnissen des Herbsttests 2026 vergleichen.

Anders sieht es bei Tests bis einschließlich 2024 aus. Seit der Umstellung orientieren sich die Crashversuche an aktuellen Euro-NCAP-Tests. Zusätzlich untersuchen die Prüfer die Bezüge auf PFAS. Diese langlebigen Umweltschadstoffe können die Gesamtbewertung verschlechtern. Ältere Noten sind deshalb nicht direkt mit den Ergebnissen ab 2025 vergleichbar.

Aber es gibt auch gut und sehr gut bewertete Kindersitze aus den Jahren 2020 bis 2024, die der ADAC weiterhin empfiehlt. Dazu gehören unter anderem Thule Maple + Alfi Base (2024: Note 1,6), BeSafe iZi Go Modular X2 i-Size + iZi Modular i-Size Base (2023: Note 1,7) und der Reboarder Swandoo Curie (2022: Note 1,9).

Sind günstige Kindersitze genauso sicher wie teure Modelle?

Der Preis allein verrät weder, wie sicher ein Modell ist, noch wie leicht es sich bedienen lässt. Im Herbsttest kostet die gut bewertete Babyschale Joie i-Gemm 3 mit i-Base Encore rund 330 Euro. Die durchgefallene Britax-Kombination liegt dagegen bei etwa 535 Euro. Viel Geld auszugeben, schützt also nicht vor einem Fehlkauf.

Bei den Sitzen für Kleinkinder und Kindergartenkinder kosten die hier vorgestellten guten Modelle zwischen 500 und 550 Euro. Daraus lässt sich allerdings nicht ableiten, dass günstigere Sitze grundsätzlich schlechter schützen. Für einen solchen Vergleich fehlen in dieser Testrunde entsprechend günstige, gut bewertete Alternativen.

Bei den Schulkindsitzen zeigt sich wiederum: Die niedrigen Preise von Lionelo Neal i-Size und Joie i-Provo gehen diesmal mit schwächeren Ergebnissen einher. Der besser bewertete Britax Römer Kidfix Pro aus dem Vorjahr kostete im Test rund 220 Euro.

So findest du ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis

  • Prüfe die Sicherheitsnote: Die Gesamtnote berücksichtigt auch Bedienung, Ergonomie und Schadstoffe. Wie gut ein Sitz bei einem Unfall schützt, erkennst du genauer an der gesonderten Sicherheitsbewertung.
  • Vergleiche innerhalb derselben Größenklasse: Eine Babyschale mit Basis erfüllt andere Anforderungen als ein Sitz für Schulkinder. Ihre Preise lassen sich deshalb nur bedingt gegenüberstellen.
  • Rechne notwendiges Zubehör ein: Vergleiche bei Babyschalen und modularen Kleinkindsitzen immer den Gesamtpreis inklusive benötigter Basisstation.
  • Beziehe frühere Tests ein: Ein gut bewertetes Modell aus 2025 kann eine passende Alternative sein. Vergleiche anschließend die aktuellen Verkaufspreise.
  • Bezahle für Funktionen, die du brauchst: Eine Drehfunktion oder eine leichte Tragetasche kann den Alltag erleichtern. Entscheidend bleiben ein gutes Testergebnis und die passende Größe für Kind und Auto.

Tipp: Nimm dein Kind und dein Auto zum Fachhändler mit. Erst beim Ausprobieren zeigt sich, ob ein preislich attraktiver Sitz auch zu euch passt.

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