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Mädchen in der Pubertät

„Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt“ – Stimmungsschwankungen sind nur eines von vielen Anzeichen dafür, dass ein Mädchen sich gerade im Übergang von der Kindheit zum Erwachsensein befindet. In dieser Zeit verändert sich nicht nur der Körper, auch das seelische Empfinden wird mit einer Reihe von neuen Eindrücken konfrontiert. Eine stürmische Zeit – sowohl für die Heranwachsende als auch die Eltern.

Körperliche Entwicklung

Das erste Anzeichen für die nahende Pubertät kann ein Wachstumsschub sein, der meist im Alter zwischen acht und zwölf Jahren auftritt und den Ausgangspunkt für die weitere Entwicklung markiert. Im Anschluss daran beginnt der Körper eines Mädchens langsam weiblichere Formen anzunehmen. Verantwortlich dafür sind bestimmte Hormone, wie etwa das Follikel stimulierende Hormon (FSH), welches das Wachstum der Eierstöcke anregt. Diese wiederum produzieren das weibliche Hormon Östrogen, das die Entwicklung der Geschlechtsmerkmale und der Gebärmutter bewirkt.

Bedingt durch die Entwicklung der Drüsenkörper beginnt dann das Wachstum der Brust. Dies verläuft in den meisten Fällen nicht symmetrisch, gleicht sich mit Abschluss der Entwicklungsphase jedoch meist wieder aus. Die Schambehaarung beginnt etwas später als die Entwicklung der Brust, ausgelöst wird sie durch die zunehmende Wirkung von Androgen.

Beginn der Menstruation

Die erste Regelblutung (Menarche) setzt erst dann ein, wenn der Körper entwicklungstechnisch jene Größe erreicht, die nötig ist, um ein Kind austragen zu können. Da zu diesem Zeitpunkt noch kein Eisprung stattfindet, werden die ersten Blutungen auch als „Abbruchblutungen“ bezeichnet. Da das Hormonsystem sich in dieser Phase erst einpendeln muss, ist es nicht ungewöhnlich, dass die Menstruation anfangs unregelmäßig verläuft und/oder zeitweise sogar aussetzt.

Der Zeitpunkt der ersten Menstruation ist bei jedem Mädchen unterschiedlich, grundsätzlich sollte sie jedoch bis zum 16. Lebensjahr erfolgen. Ist dies nicht der Fall, sollte eine gynäkologische Untersuchung in Betracht gezogen werden, um etwaige organische oder hormonelle Faktoren abzuklären. Gründe für einen verzögerten Pubertätsbeginn können beispielsweise Fehlfunktionen der Eierstöcke aber auch angeborene Anomalien sein. Je nach Diagnose können Hormontherapien helfen, die Entwicklung einzuleiten oder zu fördern. In jedem Fall sollte man hierfür einen Hormonspezialisten zu Rate ziehen.

Zum Vergleich: Vor 150 Jahren setzte die Pubertät bei Mädchen im Schnitt erst mit 17 Jahren ein, also wesentlich später als heute. Der Grund liegt vor allem in den verbesserten Ernährungsverhältnissen, da der Körper junger Mädchen einen gewissen Fettanteil benötigt, um mit der Menstruation zu beginnen. Dies erklärt auch, warum die Menstruation bei untergewichtigen Frauen oder Mädchen ausbleiben kann, bei übergewichtigen Mädchen hingegen oft verfrüht einsetzt.

Alle Veränderungen des Körpers haben verständlicherweise auch Einfluss auf die Psyche junger Mädchen. Vor allem zu Beginn der Pubertät sind sie hin und her gerissen zwischen der sicheren Welt der Kindheit und der Rolle als junge Frau, die nun auf sie zukommt. Dieser Rollenwechsel ist nicht einfach zu meistern, daher ist die Heranwachsende während dieser Zeit ganz besonders auf die Unterstützung ihrer Eltern angewiesen.

Pötzlich ist alles anders

Es ist kein Wunder, dass sich viele Eltern durch die Pubertät der Tochter erstmal schlichtweg überfordert fühlen. Was zehn Jahre lang fixer Bestandteil der Eltern-Kind-Beziehung war, wird plötzlich abgelehnt, so etwa der gewohnte Gute-Nacht-Kuss oder die Umarmung morgens vor der Schule. Viele Eltern reagieren auf die schroffe Ablehnung erst überrascht, später gekränkt. Vor allem Väter tun sich oft schwer im Umgang mit ihren pubertierenden Töchtern, da sie sich Themen wie Menstruationsbeschwerden nicht so recht gewachsen fühlen.

Gleichzeitig erleben sie, wie die Tochter anfängt, sich anders zu kleiden und langsam beginnt, sich für Jungs zu interessieren. Dieser Prozess ist zwar völlig normal, bietet dennoch ein enormes Konfliktpotential: Teenager haben das Bedürfnis, ihre Grenzen auszuloten und wollen auf eigenen Beinen stehen, aus dem Blickwinkel der Eltern sind sie dazu jedoch noch nicht bereit – Der Stress ist vorprogrammiert.

Rückhalt und Vertrauen als Basis

Egal wie zickig und anstrengend die pubertierende Tochter mitunter sein kann, sie braucht genau wie früher die Liebe und Geborgenheit der Eltern, auch wenn es nach außen hin nicht danach aussieht. Mädchen werden in der Pubertät erstmals mit ihrem weiblichen Rollenbild konfrontiert und müssen erst lernen, sich darin zurechtzufinden. In einer Gesellschaft, die sehr stark an Äußerlichkeiten orientiert ist, ist das alles andere als einfach. Teenager werden von den Schönheitsidealen der Medien regelrecht überschüttet, sodass es oft schwer erscheint, den eigenen Körper zu akzeptieren.

Vor allem Mädchen können überaus selbstkritisch sein und unterwerfen sich oft einem Körperkult, der sie bis an die Grenzen ihrer Gesundheit führen kann. Aus diesem Grund ist es für die Eltern überaus wichtig, ihrer Tochter ein Gefühl von Geborgenheit und bedingungsloser Zuneigung zu vermitteln. Eltern, die es schaffen, der Tochter zu zeigen, dass sie um ihrer Selbst willen geliebt wird, übernehmen eine Art „Ankerfunktion“: Sie bieten Rückhalt und ermöglichen somit eine vertrauensvolle Beziehung zu ihrem Kind.

Sexualität und Verhütung

Vertrauen ist vor allem zum Zeitpunkt der ersten Verliebtheit gefragt: Mädchen sind in ihrer Pubertät mitunter sehr schwärmerisch. Während Jungs sich oft für Mannschaftssportarten oder Computerspiele begeistern verlieben sie sich zum ersten Mal in einen Popstar oder Schauspieler, mit dessen Poster sie die Wände ihres Zimmers tapezieren.

Ernster wird es, wenn die Tochter den ersten „realen“ Freund mit nach Hause bringt, denn spätestens dann wird es Zeit, über das Thema Verhütung nachzudenken. Manchmal fällt es auch den Vätern schwer zu akzeptieren, dass ihr Kind sich zu einer jungen Frau entwickelt hat, die sich ihrer Sexualität bewusst wird. Dennoch ist es Aufgabe der Eltern, der Tochter einen verantwortungsvollen Umgang mit der eigenen Sexualität zu vermitteln. Dazu gehört ein Gespräch über Verhütungsmittel und wenn das Verhältnis gut ist, kann ein gemeinsamer Besuch von Mutter und Tochter vielleicht sogar Vater und Tochter beim Gynäkologen folgen.

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