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Kooperatives Lernen

In pädagogischen Fachkreisen ist kooperatives Lernen schon längst ein Thema. Es gibt jedoch auch immer mehr Eltern, die mit diesem besonderen Unterrichtskonzept konfrontiert sind und vor der Fragen stehen, was kooperatives Lernen eigentlich bedeuten soll und wie es den schulischen Erfolg des eigenen Kindes tatsächlich beeinflusst.

3 Mädchen lernen an einem Tisch im Museum

Wie der Name schon erahnen lässt, handelt es sich hierbei um eine Lern- und Lehrform, in deren Zentrum Zusammenarbeit also Kooperation steht. Dies bezieht sich überwiegend auf die Kooperation der Schülerinnen und Schüler untereinander aber auch auf die Beziehung zwischen LehrerInnen und SchülerInnen. Der im deutschsprachigen Raum relativ junge Ansatz hat sich in anderen Ländern schon seit einiger Zeit bewährt z.B. in Großbritannien. Dort unterscheidet man jedoch zwischen „collaborative learning“ und „cooperative learning“. Im Deutschen sammeln sich Theorien, Methoden und praktische Ansätze der Methode weitgehend unter dem Begriff kooperatives Lernen.

Demokratie im Unterricht

Jahrzehntelang wurde er in Schulklassen praktiziert und als das (pädagogische) Maß aller Dinge angesehen: der Frontalunterricht. Wenngleich sich moderne Erziehungsmethoden immer mehr durchsetzen, findet man ihn auch heute noch in vielen Schulen. Der Lehrer/die Lehrerin tritt als Wissensvermittler/Wissensvermittlerin auf. Der Informationsfluss ist jedoch einseitig. Der Pädagoge/die Pädagogin referiert stundenlang vor der versammelten Klasse, der Lehrstoff prasselt sozusagen passiv auf die SchülerInnen ein. ExpertInnen sind sich mittlerweile einig, dass Lehr-Inhalte besser aufgenommen werden, wenn man sie aktiv erarbeitet und alle demokratisch in den Wissensfindungsprozess eingebunden sind. Kooperatives Lernen folgt daher dem Leitgedanken der Demokratie. Alle SchülerInnen sind in gleichem Maße berechtigt, angebotenes Wissen zu diskutieren und sich damit auseinanderzusetzen. Außerdem haben sie ein Recht darauf, sich den Lehrstoff bis zu einem gewissen Grad selbst anzueignen z.B. in Form von Gruppenarbeiten.

Ziel dieser Unterrichtsform ist es, Schülerinnen und Schüler zu ermutigen, selbstständige (zum Teil auch kritische) Gedanken zu fassen und diese anschließend zum Ausdruck zu bringen. Die Bildungsforscher Kathy und Norm Green gehen davon aus, dass die Fähigkeit, demokratisch zu denken und zu lernen, eine Schlüsselkompetenz für das spätere Leben darstellt. Kinder werden somit bereits im Schulalter darauf vorbereitet, sich als Erwachsene eine Meinung zu bilden und dieser Ausdruck zu verleihen (z.B. bei Wahlen).

Die 5 Grundgedanken

Kooperatives Lernen umfasst viele unterschiedliche Methoden. Das ist darauf zurückzuführen, dass sich im Laufe der Jahre diverse Forscherteams und ExpertInnen an Universitäten mit dem Thema auseinander gesetzt und es weiterentwickelt haben. Es gibt also eine Vielzahl an praktischen Ansätzen für den Schullalltag. Alle Zugänge haben jedoch zwei Dinge gemeinsam. Sie sind erstens so angelegt, dass sie jederzeit in den Alltag des Frontalunterrichts integriert werden und diesen teilweise auch ersetzen können. Zweitens verfolgen alle Methoden 5 grundlegende, theoretische Annahmen. Diese Annahmen sollen in die Ausgestaltung der Gruppenarbeit einfließen, damit SchülerInnen lernen, dass Kommunikation und Interaktion beim Lösen einer Aufgabe eine sehr große Rolle spielen. Zu den 5 Grundelementen des kooperativen Lernens zählen:

  1. Positive Abhängigkeit: SchülerInnen sollen ein Gefühl für das positive Miteinander entwickeln und dies als kraftvolle Ressource wahrnehmen. Sobald sie sich zugehörig fühlen, steigt die Bereitschaft zur Zusammenarbeit. Jeder/jede ist sich bewusst, dass er/sie einen wertvollen Beitrag zur Gruppe leistet.
  2. Individuelle Verantwortlichkeit: die Mitglieder der Gruppe sind nicht nur eigenverantwortlich, sondern übernehmen Verantwortung für den Erfolg der gesamten Gruppe und somit für das Ergebnis der Gruppenarbeit.
  3. Direkte Interaktion: dieser Aspekt fordert die persönliche Anwesenheit aller Gruppenmitglieder. So entsteht die Möglichkeit, sich auszutauschen und voneinander zu lernen.
  4. Soziale Fertigkeiten: damit die Arbeit in der Gruppe gelingt, muss jedes Gruppenmitglied gewisse soziale Fähigkeit mitbringen. Es muss beispielsweise zuhören können, den anderen gegenüber Respekt zeigen, seine Unterlagen und Gedanken teilen, mit Kritik entsprechend umgehen können und sich zur Gruppe bekennen. Werden diese Fertigkeiten im Schulalter in einem geschützten Rahmen trainiert, schafft dies einen Vorteil für spätere Bildungs- oder berufliche Wege.
  5. Reflexion: nach Abschluss des Gruppenprojektes wird das Ergebnis gemeinschaftlich evaluiert. Die Zusammenarbeit wird dabei ebenso thematisiert wie mögliche Verbesserungsvorschläge.

Arbeitsprinzipien

Wie gelingt es nun die Grundelemente des kooperativen Lernens auch in der Praxis umzusetzen?  Schließlich geht es hier um mehr als um die reine Arbeit in der Gruppe. Unter Berücksichtigung wachsender Schülerzahlen und steigendem Arbeitspensum für Lehrerinnen und Lehrer schlagen AnwenderInnen des kooperativen Lernansatzes ein simples Modell für die Umsetzung vor. Es umfasst folgende drei Aspekte:

  • Einzelarbeit: jeder Schüler/jede Schülerin erhält die Möglichkeit, Teile der Aufgabenstellung zuerst individuell zu erarbeiten. Ziel ist, die Erfassung der Aufgabenstellung, das Notieren erster eigener Gedanken und die Vorbereitung auf die darauffolgende Gruppenarbeit. Meistens gibt es für die Phase der Einzelarbeit bestimmte zeitliche Vorgaben.
  • Kooperation: Herzstück des kooperativen Lernens ist die Zusammenarbeit. Nachdem sich die SchülerInnen einzeln mit der Aufgabe beschäftigt haben, schließen sie sich in Gruppen zusammen. Im Vordergrund stehen dabei der Austausch und die Weiterentwicklung der individuell erarbeiteten Inhalte. Wenn die SchülerInnen unterschiedliche Inhalte erarbeitet haben, besteht die Möglichkeit des gegenseitigen Lernens. Haben sich alle mit ein und demselben Thema beschäftigt, gilt es, unterschiedliche Sichtweisen und Meinungen zu erörtern.
  • Präsentation/Evaluation: abschließend werden die Ergebnisse der Zusammenarbeit präsentiert (beispielsweise vor den anderen Gruppen). Möglich ist in diesem Zusammenhang auch eine Bewertung der Gruppenarbeit, eine gemeinsame Reflexion.

Positive Effekte

Zahlreiche pädagogische Studien belegen mittlerweile die positiven Auswirkungen der kooperativen Lernform. Europäische Länder, die ihren Unterricht bereits seit längerer Zeit auf den Prinzipien der Kooperation und Demokratie aufbauen, schneiden in großangelegten Bildungs-Studien wie der PISA-Studie besser ab als Länder, die überwiegend auf herkömmliche Formen der Wissensvermittlung setzen. Bei Mathematik, Lesen und Schreiben können höhere Lernerfolge erzielt werden, wenn die SchülerInnen zusammenarbeiten und sich Wissen gegenseitig vermitteln. Außerdem werden soziale Schlüsselkompetenzen (Kommunikation, Respekt, Interaktion, Team-Buidling) gestärkt. Nicht zuletzt werden Schülerinnen und Schüler ermutigt, eigenständig zu denken und dafür individuelle Strukturen zu erschaffen.

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