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Jungen in der Pubertät

In der Pubertät wachsen Jungen von Kindern zu erwachsenen Männern heran. Diese Zeit bringt sowohl für den Teenager selbst, als auch für seine Eltern zahlreiche Veränderungen mit sich und wird daher oft als problematisch empfunden - kann aber für alle Beteiligten auch spannend gestaltet werden.

Körperliche Veränderungen in der Pubertät

Die männliche Pubertät beginnt in unserer Kultur zwischen dem 10. und 16. Lebensjahr und ist etwa im Alter von 20 Jahren abgeschlossen. Damit liegen Anfang und Ende der Pubertät bei Jungen im Schnitt zwei Jahre nach der weiblichen Pubertät. Allerdings kann der individuelle Verlauf dieser Lebensphase von Teenager zu Teenager großen Schwankungen unterworfen sein.

Bei Jungen kommt es in der Pubertät zu einer größeren Produktion des Hormons Testosteron, wodurch eine Reihe körperlicher Veränderungen stattfindet: Hoden, Nebenhoden und Penis wachsen, Scham- und Barthaare sprießen, die Körpergröße nimmt stark zu und der Stimmbruch setzt ein. Zudem leiden die meisten Jungen in der Pubertät an Akne. Ähnlich wie Mädchen, deren Brüste wachsen, spüren manche Jungen zu Beginn der Pubertät Schwellungen in ihrer Brust. Dies ist ein normaler Entwicklungsschritt der sich schnell wieder zurückbildet.

Mit den körperlichen Veränderungen geht die Entdeckung der eigenen Sexualität einher. Schon als Kinder haben Jungen Erektionen die ihnen Lustgefühle verschaffen. In der Pubertät kommt es hierzu gehäuft und der erste Samenerguss tritt ein. Für den jungen Mann sind diese Veränderungen mit einem zu absolvierenden Lernprozess verbunden: Er muss seinen sexuellen Trieb mit den kulturellen Werten und Normen der jeweiligen Gesellschaft vereinbaren lernen.

Emotionale Veränderungen in der Pubertät

Die Pubertät wird von vielen Teenagern als eine Art Niemandsland zwischen Kindheit und Erwachsenenalter empfunden. In dieser Zeit müssen Jungen sich von den Eltern ablösen, um eine eigenständige, erwachsene Identität aufzubauen. Hieraus resultiert ein großer Wunsch nach Unabhängigkeit, der sich in zahlreichen Konflikten mit den Eltern und dem Austesten von Grenzen manifestiert. Die Eltern als Vorbild werden nun durch gleichaltrige Rollenmodelle, an denen die jungen Männer sich messen, ersetzt. Eltern haben hierdurch empfindlich weniger erzieherischen Einfluss auf ihren Sohn - und bekommen dies in der Regel sehr deutlich zu spüren.

Zudem weist die pubertäre Emotionalität bestimmte Charakteristika auf: Gefühle kommen meist in extremen Ausprägungsgraden und schnell wechselnder Abfolge vor. Das Zusammenspiel dieser Faktoren bewirkt ein stark erhöhtes Konfliktpotential - auch in an sich sehr harmonischen Familien.

Festhalten oder Loslassen?

Auch Eltern müssen in der Phase der Pubertät einen gewaltigen Abnabelungsprozess vollziehen: Den Jungen loslassen und als erwachsene, ihnen ebenbürtige Person begreifen lernen. Sukzessive erkämpfen Teenager sich persönliche Freiräume und Autonomie. Eltern fällt dabei die entscheidende Aufgabe zu, ein ausgewogenes Mittelmaß aus Festhalten und Loslassen abzuwägen.

Denn auch wenn Jungen sich in der Pubertät nach außen hin cool und abweisend geben, etwa die Fürsorglichkeit der Eltern als peinlich empfinden, brauchen sie oftmals noch deren Unterstützung: Gerade jetzt benötigen sie einen sicheren Familienverbund als sozialen Rückzugsort. Die Eltern sollten dem pubertierenden Jungen daher trotz dessen Abweisung Vertrauen, Verständnis und Toleranz entgegenbringen und ihn beim Ausdrücken seiner Emotionen unterstützen. Das gilt insbesondere für Mütter, tendieren diese doch Studien zufolge dazu, sich zu früh von ihren Teenager-Söhnen zurückzuziehen.

Konflikte annehmen

Streit, Konflikte und Diskussionen mit Jungen in der Pubertät sind nervenaufreibend und bringen die gewohnte Familienbalance ins Wanken. Nichts desto trotz sollten solche Kämpfe nicht vermieden werden, denn sie sind wichtig für Teenager: Durch sie gewinnen sie kritische Distanz um eigene Standpunkte entwickeln zu können.

Eltern sollten daher Diskussionen standhalten und ruhig auf der eigenen - vom Kind verschiedenen - Meinung beharren. Probleme dürfen nicht totgeschwiegen, sondern müssen offen und immer wieder angesprochen werden. Es empfiehlt sich - auch wenn patzige Äußerungen dies erschweren - dem Sohne aufmerksam Gehör zu schenken. Daneben helfen die folgenden „Regeln“ Streitgespräche mir Pubertierenden konstruktiv zu gestalten:

  • Streit besser regelmäßig in kleinen Häppchen als in einem riesigen Knall, bei dem alles Aufgestaute zur Sprache kommt austragen
  • Nicht zu viele Vorwürfe auf einmal machen, sondern Streitgespräche auf ein Thema beschränken
  • Anliegen in persönlichen Ich-Botschaften formulieren – also den Satz „Man kann doch nicht den ganzen Tag Computer spielen!“ durch die Formulierung „Ich möchte nicht, dass du den ganzen Tag Computer spielst!“ ersetzen
  • In Konfliktsituationen immer fair bleiben und den Sohn nicht beleidigen
  • Falls Eltern sich dennoch im Ton vergreifen, zeigt eine anschließende Entschuldigung dem Sohn Stärke
  • Streitgespräche am besten in einer geschützten, angenehmen Atmosphäre führen

Obwohl Teenager mit Vorliebe gegen elterliche Regeln verstoßen, ist es wichtig, dass es sie nach wie vor gibt - dienen Regeln doch als Grundlage für die auszukämpfenden Konflikte. Auf jeden Fall sollte zu einer Regel auch die dazugehörige Konsequenz klar angekündigt werden. Das kann beispielsweise so aussehen: Der Sohn darf bis 0.30 Uhr auf einer Party bleiben. Hält er sich nicht an diese Vereinbarung, ist das nächste Fest ganz gestrichen.

Was Eltern tun können

Eltern fühlen sich während der Pubertät ihres Sohnes oft machtlos und leiden sehr unter dem Gefühl, kaum mehr Kontrolle über das Leben und die Entwicklung ihres Kindes zu haben. Ihnen hilft oft der Gedanke, nach wie vor indirekt Einfluss nehmen zu können – beispielsweise durch die Entscheidung welche Schule oder welchen Sportverein ein Junge besucht und somit was für potentielle Vorbilder ihn umgeben.

Eltern, die sich vom Leben ihrer jugendlichen Söhne stark ausgeschlossen fühlen, können versuchen ihr Zuhause für deren Freunde zu öffnen. Wer beispielsweise ein Tischfussballgerät in seinem Keller aufstellt, hat gute Chancen, dass der Freundeskreis des Sprösslings des Öfteren vorbeischaut. Auf diese Weise erhalten Eltern etwas mehr Einblick in das Leben ihres Sohnes und es ergibt sich vielleicht eine neue Gesprächsbasis.

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