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Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS)

Das Polyzystische Ovarial- oder Ovarsyndrom, kurz PCOS, ist eine Störung des Hormonhaushalts, die Lebensqualität und Gesundheit in vielerlei Hinsicht beeinträchtigen kann. Es handelt sich hierbei um eine nicht heilbare, aber erfolgreich therapierbare, Erkrankung des weiblichen Organismus. Man geht davon aus, dass 8-10% aller Frauen darunter leiden.

Illustrative Darstellung, Röntgen der weiblichen Geschlechtsorgane

Merkmale bei PCOS

Die Kunst und gleichzeitig Schwierigkeit bei PCOS liegt in der eindeutigen Diagnose und somit Abgrenzung zu anderen Krankheitsbildern. Der Krankheit zugrunde liegt eine Funktionsstörung im Bereich der Hormonproduktion. Im Blut betroffener Frauen ist die Konzentration männlicher Sexualhormone, so genannter Androgene, erhöht. Dies wirkt sich nicht nur auf den monatlichen Zyklus, sondern auch auf die Beschaffenheit der Haut und die Körperbehaarung aus. Zyklusstörungen wiederum führen zu Fruchtbarkeitsproblemen bis hin zur Unfruchtbarkeit.

Für die Diagnose eines Polyzystischen Ovarialsyndroms gibt es aktuell zwei unterschiedliche Vorgehensweisen. 1990 legte die NIH (National Institutes of Health) fest, dass PCOS vorliegt, wenn sowohl eine chronische Anovulation (sehr seltene oder ausbleibende Monatsblutung) als auch ein erhöhtes Vorkommen männlicher Hormone (klinischer/laborchemischer Hyperandrogenismus) nachgewiesen werden kann.

Im Jahr 2003 wurde die NIH Definition von der Europäischen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin und Embryologie (ZESHRE) in Zusammenarbeit mit der Amerikanischen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin (ASRM) um ein drittes Kriterium erweitert. Zusätzlich sei die Feststellung von Polyzystischen Ovarien (Bläschenbildung an den Eierstöcken) ein weiteres Diagnosekriterium. Gemäß dieser jüngeren Definition lautet die Diagnose dann PCOS, wenn 2 der 3 festgelegten Kriterien (chronische Anovulation, Polyzystische Ovarien, klinischer/laborchemischer Hyperandrogenismus) gegeben sind.

Das Diagnoseverfahren setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen. Auf der einen Seite steht eine ausführliche Anamnese beim Gynäkologen/der Gynäkologin. In einem Gespräch erkundigt er/sie sich nach dem monatlichen Zyklus. Dauert der Zyklus regelmäßig länger als 35 Tage, ist die Monatsblutung sehr selten (max. 2 Zyklen pro Jahr) oder bleibt die Blutung gänzlich aus, ist PCOS naheliegend. Auf der anderen Seite stehen eine Blutuntersuchung hinsichtlich des Hormonspiegels sowie eine vaginale Ultraschalluntersuchung. Zusätzlich erhebt der Arzt/die Ärztin familiäre Vorbelastungen, Schwangerschaften, den Zeitpunkt der ersten Monatsblutung, Verlauf der Pubertät und andere gesundheitliche Parameter. Thematisiert wird außerdem, ob Körperbehaarung und Hautbild (z.B. Akne) auffällig sind.

Wichtig sind im Zuge der medizinischen Abklärung auch so genannte Differentialdiagnosen. Darunter versteht man die Abgrenzung des Polyzystischen Ovarialsyndroms von anderen Krankheiten, die zum Teil ähnliche Symptome aufweisen. Dazu zählen unter anderem gutartige Tumore an der Hypophyse, Schilddrüsenunterfunktion, Hypercortisolismus und eine vererbliche Stoffwechselkrankheit.

Auswirkungen

Betroffene Frauen berichten sowohl von psychischen als auch physischen Belastungen. Wer unter PCOS leidet, findet sich häufig in einem Wirkungskreislauf wieder, der sich nur mit professioneller Hilfe durchbrechen lässt. Auf körperlicher Ebene sind es allen voran starke Körperbehaarung und Hautprobleme, die dazu führen, dass sich Betroffene im eigenen Körper nicht mehr wohl beziehungsweise nicht mehr weiblich fühlen. Die Haare werden dunkler und dichter. Sie wachsen verstärkt im Gesicht, an der Brust, am Rücken, im Bauchbereich und an den Oberschenkeln.

Unter PCOS verändert sich auch das Erscheinungsbild der Haut: sie wird fettiger und anfälliger für Unreinheiten, Pickel und Mitesser (Akne). Gelegentlich kommt es auch zu Haarausfall. Mittel- und langfristig gesehen entstehen folgende gesundheitliche Risiken: Diabetes, Herz-Kreislauferkrankungen, Insulinresistenz, metabolisches Syndrom, übermäßige Gewichtszunahme, Unfruchtbarkeit. Ein verändertes Aussehen, Angst vor Langzeitfolgen und Zyklusanomalien – all das wirkt sich negativ auf das Wohlbefinden der Betroffenen aus. Eine Studie der PCOS Selbsthilfe Deutschland hat gezeigt, dass Patientinnen psychisch stark belastet sind und ihre Lebensqualität (z.B. im Bereich der Sexualität) leidet.

Medikamentöse Behandlung

Das Polyzystische Ovarialsyndrom ist eine ernstzunehmende Hormonstörung, die jedenfalls behandelt werden sollte. Eine adäquate Therapie ist auch inAnbetracht der Folgeerscheinungen und bei bestehendem Kinderwunsch indiziert. Derzeit ist es (noch) nicht möglich, die Ursachen des PCOS zu beheben, da unklar ist wodurch das Syndrom ausgelöst wird. Eine Heilung ist demnach also nicht zu erwarten. Moderne Behandlungsverfahren konzentrieren sich auf die Linderung der einzelnen Symptome. Diese sind von Frau zu Frau unterschiedlich, daher sollte der Therapieplan auch so individuell wie möglich erstellt werden. Grundsätzlich gibt es folgende Möglichkeiten (Anmerkung: es handelt sich hierbei lediglich um einen groben Überblick, das konkrete Vorgehen wird immer mit dem Arzt/der Ärztin abgestimmt):

  • Bei Kinderwunsch seitens der Patientin: Veränderung des Lebensstils, Gewichtsreduktion, Ultraschallbehandlungen, medikamentöse Aktivierung der Eierstöcke, künstliche Befruchtung
  • Patientin ohne Kinderwunsch: Verabreichung von Hormonen (z.B. Einnahme der Pille)
  • Bei Diabetes/Stoffwechselerkrankungen: Verordnung des Medikaments Metformin, Gewichtsreduktion, Lebensstiländerung
  • Akne/Hautprobleme: lokale Behandlungen mit Salben, Laserbehandlungen, Einnahme von Antibiotika und/oder Vitamin A Präparaten
  • Übergewicht: Veränderung der Ernährungs- und Lebensgewohnheiten/Gewichtsreduktion
  • Übermäßige Behaarung: dauerhafte Haarentfernung

Änderung des Lebensstils

PCOS Patientinnen können und sollen sich aktiv an ihrer Therapie beteiligen. Neben medikamentösen beziehungsweise medizinischen Maßnahmen ist die Veränderung des eigenen Lebensstils nämlich ein wichtiger Bestandteil einer erfolgreichen Behandlung. Die Schrauben werden sowohl bei der Ernährung als auch bei den alltäglichen Gewohnheiten der Betroffenen angesetzt. Ziel ist, eine Reduktion des Gewichts (wirkt sich positiv auf die Insulinresistenz aus) und die Integration von mehr Bewegung im Alltag. Gemeinsam mit dem behandelnden Arzt/der behandelnden Ärztin wird festgelegt, wie viele Kilos in welchen Zeitraum purzeln und welche sportlichen Aktivitäten aufgenommen werden sollen.

Ausgewogene Ernährung sowie körperliche Betätigung steigern das Wohlbefinden und reduzieren das Risiko an Diabetes oder dem metabolischen Syndrom zu erkranken. Darüber hinaus verbessern sie ganz allgemein den Gesundheitszustand der Patientin.

PCOS & Schwangerschaft

Frauen, die unter PCOS leiden, haben häufiger Probleme, schwanger zu werden. Das liegt in erster Linie daran, dass der Eisprung nicht, selten oder nur sehr unregelmäßig stattfindet. Andere Begleiterscheinungen der Hormonstörung wie beispielsweise Übergewicht können eine erfolgreiche Befruchtung außerdem erschweren. Liegt ein Kinderwunsch vor, gibt es jedoch zahlreiche Behandlungsoptionen mit deren Hilfe der Zyklus normalisiert und eine Schwangerschaft auf natürlichem Weg ermöglicht werden soll.

Alternativ ist die klassische Kinderwunschbehandlung ebenso ein Thema. Hat es mit der Befruchtung erst einmal geklappt, erfordert die Kombination von PCOS und einer Schwangerschaft etwas Vorsicht. Man geht nämlich davon aus, dass bei Frauen mit dem  Polyzystischen Ovarialsyndrom häufiger Fehlgeburten, Schwangerschaftsdiabetes sowie Eklampsie auftreten. Eine engmaschige medizinische Betreuung ist daher in solchen Fällen erstrebenswert.

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