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Die künstliche Befruchtung oder Kinderwunschbehandlung

Ein Paar wünscht sich ein Baby. Sie haben die Verhütung abgesetzt und schlafen regelmäßig miteinander. Monat für Monat warten sie gespannt auf die ersten Anzeichen einer Schwangerschaft. Bleiben diese aus, wandelt die Hoffnung sich langsam in Besorgnis. Was wenn es mit dem Nachwuchs auf natürlichem Weg nicht klappt?

Blick auf ein Paar das sich von einem Arzt beraten lässt.

Wenn ein Paar ein Jahr lang regelmäßig ohne Verhütungsmittel miteinander schläft, ohne dass eine Schwangerschaft eintritt, wird diese Situation aus medizinischer Sicht zumeist als unfruchtbar bezeichnet und sollte die Ausgangsbasis dafür sein Beratung und Untersuchungen in Betracht zu ziehen. Diese medizinische Definition ist ein Richtwert. Es besteht auch nach einem Jahr durchaus noch die Chance, dass es auf natürlichem Weg zu einer Schwangerschaft kommt. Auf der anderen Seite sollte medizinische Hilfe nicht zu lange hinausgezögert werden, da die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft mit zunehmendem Alter der Frau sinkt. Viele Paare unterschätzen diesen Faktor.

Unfruchtbarkeit kann verschiedene Gründe haben. Meist liegen körperliche Ursachen vor, aber auch der Lebenswandel (Faktoren wie Ernährung, Stress, Nikotin- und Alkoholkonsum, Leistungssport etc.) oder das Alter der Frau spielen eine Rolle. Der Einfluss des psychischen Befindens auf die Fruchtbarkeit ist nicht gänzlich bekannt. Oft werden die Gründe für die Unfruchtbarkeit beim weiblichen Geschlecht gesucht. Aber entgegen dieser Annahme liegen die Ursachen für eine ungewollte Kinderlosigkeit etwa genauso oft beim Mann; nicht selten sind auch beide Partner der Grund oder aber die Kombination von Umständen die beide betreffen ungünstig.

Tritt auf natürlichem Weg keine Schwangerschaft ein, wählen viele Paare den Weg der künstlichen Befruchtung. Hierfür ist auch der weniger steril klingende Begriff Kinderwunschbehandlung üblich.

Vor der Kinderwunschbehandlung

 LaborbefruchtungWas kommt auf Paare, die sich für eine Kinderwunschbehandlung entscheiden, zu?

Zunächst werden die Gründe für die Unfruchtbarkeit ermittelt. Hierfür führt der Arzt ein ausführliches Gespräch und eine Reihe von Untersuchungen sowie Labortests mit beiden Partnern durch. Dabei soll vor allem geklärt werden, ob der Eisprung der Frau stattfindet und ob ihre Eileiter durchgängig sind. Außerdem wird die Spermienqualität des Mannes bestimmt.

Bis all diese Untersuchungen durchgeführt sind, vergeht oft einige Zeit. Das Paar muss daher viel Geduld mitbringen. In den meisten Fällen lohnt sich die Untersuchungs-Prozedur, denn in ca. 90% der Fälle können die Gründe für die Unfruchtbarkeit festgestellt werden. Dann wird gemeinsam mit dem Gynäkologen entschieden, welche Methode die richtige ist.

Methoden

Es gibt verschiedene Methoden der Kinderwunschbehandlung. Die wichtigste Methode ist die IVF, die In-vitro-Fertilisation. Dabei erfolgt die Befruchtung außerhalb des Körpers der Frau. Zunächst wird die Eizellreifung der Frau durch hormonelle Stimulation gefördert um danach mehrere Eizellen durch einen chirurgischen Eingriff dem Körper zu entnehmen. Diese werden außerhalb des Körpers mit den Spermien des Mannes inseminiert. Wenn die so befruchteten Eizellen durch Zellteilung heranwachsen, werden sie in die Gebärmutterhöhle der Frau eingesetzt. Das nennt man auch Embryotransfer. Meist werden mehrere befruchtete Eizellen eingepflanzt, um die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft zu erhöhen.

Damit das Risiko einer Mehrlingsschwangerschaft nicht überhand nimmt, setzt man in Österreich nur maximal zwei bis drei befruchtete Eizellen in den Körper der Frau ein. Überschüssig befruchtet Eizellen werden in der Regel durch das Verfahren der Kryokonservierung erhalten, um sie zu einem eventuell späteren Zeitpunkt einzusetzen. Bei diesen, im Verfahren eingefrorenen Eizellen, ist die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft etwas geringer als bei den ‚frischen‘ Eizellen.

Schwangerschaftstest Wenn die Spermien des Mannes ihren Weg nicht von selbst in die Eizelle zurücklegen können, werden sie unter dem Mikroskop in die Eizelle injiziert. Man spricht dann von einer ICSI, einer Intrazytoplasmatischen Spermieninjektion. Nach der Befruchtung geht es wie bei der normalen IVF weiter. Die ICSI wird bei schlechter Samenqualität des Mannes als Zusatzmaßnahme zur IVF durchgeführt.

Neben der IVF gibt es auch Methoden, bei denen die Befruchtung im Körper der Frau erfolgt. So werden bei der intrauterine Insemination (IUI) zum Zeitpunkt des Eisprungs Spermien des Mannes mit einer Spritze und einem Katheter in die Gebärmutterhöhle der Frau übertragen. Die Samenzellen des Mannes werden vorher im Labor gereinigt und ausgewählt. Eine IUI ist beispielsweise dann sinnvoll, wenn die Zeugungsfähigkeit des Mannes nur mittelschwer eingeschränkt ist. Oft werden Eizellreifung und Eisprung der Frau mit Medikamenten unterstützt.

Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft und Risiken

Die Wahrscheinlichkeit durch eine Kinderwunschbehandlung schwanger zu werden wird von verschiedenen Seiten unterschiedlich eingeschätzt. Sie hängt auch von individuellen Eigenschaften eines Paares (wie z. B. dem Alter) sowie der Anzahl der gestarteten Versuche ab.

Den folgenden Zahlen ist daher mit großer Vorsicht zu begegnen:

  • Im Schnitt ist jeder fünfte IVF- oder ICSI Versuch erfolgreich. Erfolgreich bedeutet das Paar bekommt ein Baby.
  • Die Wahrscheinlichkeit, dass nach dem Einsetzen einer künstlich befruchteten Eizelle eine Schwangerschaft eintritt, beträgt etwa 20 - 25 %. Zum Vergleich: Wenn ein Paar einen Zyklus lang regelmäßig ohne Verhütungsmittel miteinander schläft, liegt die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft bei 20 - 30%.
  • Eine Kinderwunschbehandlung führt bei fast 70 % der Paaren zum gewünschten Erfolg – einem Baby. Voraussetzung ist, dass bis zu sechs Versuche in Anspruch genommen werden.

Auch die Risiken einer Kinderwunschbehandlung werden unterschiedlich eingeschätzt und sind – wie die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft – individuelle vom Paar abhängig. Es ist daher unumgänglich, die Risiken in einem persönlichen Gespräch mit dem Arzt abzuklären. Ein erwiesenes ‚Risiko‘ der künstlichen Befruchtung ist die Mehrlingsschwangerschaft. Paare sollten sich daher schon im Vorfeld darüber klar werden, ob sie eine solche Mehrfach-Belastung auf sich nehmen können und wollen.

Rechtliches und Finanzierung

In Österreich dürfen nur Partner, die verheiratet sind oder in einer eheähnlichen Gemeinschaft leben, eine Kinderwunschbehandlung in Anspruch nehmen. Bei alleinstehenden Menschen oder Menschen, die in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft leben, wird keine Kinderwunschbehandlung durchgeführt. Das Spenden von Eizellen oder Embryonen sowie die Leihmutterschaft sind rechtlich verboten.

Die Kosten einer künstlichen Befruchtung sind von Paar zu Paar verschieden und lassen sich oft erst nach Abschluss der Behandlung genau benennen. Der Grund: Einen nicht geringen Teil der Kosten machen die eingesetzten Medikamente aus, deren Art und Dosierung je nach Paar variiert. Im Schnitt kostet eine Kinderwunschbehandlung inklusive Medikamenten 3.000 - 3.500 Euro pro Versuch.

Für viele Paare stellt dieser Betrag eine große finanzielle Belastung dar. In Österreich besteht die Möglichkeit einer Teilfinanzierung durch den sogenannten IVF-Fonds. Dieser bezahlt pro Paar 70 % der Gesamtkosten von höchstens vier Versuchen. Je Versuch sind dann also ‚nur noch‘ ca. 1.000 Euro selbst zu bezahlen. Das Paar muss allerdings bestimmte Bedingungen erfüllen, um den Zuschuss zu erhalten. So darf beispielweise die Frau nicht älter als 40 und der Mann nicht älter als 50 Jahre sein. Über die genauen Voraussetzungen für die Förderung informiert die Broschüre „Wir möchten ein Baby“ des Bundesministeriums für Gesundheit.

Psychische Aspekte

schwangeres Paar Nicht wenige Paare empfinden die Zeit einer Kinderwunschbehandlung als psychische Belastung. Die große Hoffnung, die an die Behandlung geknüpft wird, kann zu enormer Anspannung führen. Untersuchungen und Eingriffe sind aufwendig und werden oft als unromantisch empfunden. Auch in der Partnerschaft können Spannungen entstehen, beispielsweise wenn der Kinderwunsch bei einem Partner größer ist als beim anderen.

Die Entscheidung für eine Kinderwunschbehandlung sollte deshalb gut überlegt sein und vor allem von beiden Partnern gemeinsam getroffen werden. Es ist sinnvoll, schon im Vorfeld zu klären, wie viele Versuche man starten möchte und welche Alternativen (Adoption, Pflegeelternschaft, etc.) in Frage kommen, wenn es nicht funktioniert sollte. Für manche Partner ist es sehr erleichternd, sich zu einem bestimmten Zeitpunkt vom Kinderwunsch ganz zu verabschieden und andere Schwerpunkte im Leben zu setzen. Bei der Erarbeitung dieser wichtigen Fragen kann psychologische Begleitung eine hilfreiche Stütze sein.

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