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Rachenmandeln - vergrösserte Polypen

Der Hals schmerzt, das Schlucken fällt schwer und auch das Atmen durch die Nase funktioniert nicht einwandfrei. Viele Eltern haben diese Beschwerden schon des Öfteren bei ihren Kinder beobachtet. Dahinter stecken nicht selten angeschwollene Rachenmandeln, die im Volksmund auch Polypen genannt werden.

KinderrachenVor allem Kinder leiden oft unter vergrößerten Polypen. Wenn die dadurch entstehenden gesundheitlichen Nebeneffekte die Entwicklung des Kindes beeinträchtigen oder es in Folge mehrmals im Jahr zu Mittelohrentzündungen kommt, kann auch eine operative Entfernung angedacht werden.

Was sind Rachenmandeln?

Rachenmandeln (Adenoide) und Gaumenmandeln (Tonsillen) bilden gemeinsam den lymphatischen Rachenring. Die Rachenmandeln liegen am sogenannten Rachendach zwischen der Nasenhöhle und dem Mundraum. Die Tonsillen sind zwischen den vorderen und hinteren Rachenbögen angesiedelt, nur ein kleiner Teil davon ist durch den geöffneten Mund sichtbar.

Das lymphatische Gewebe unterstützt den Aufbau der körpereigenen Abwehr, indem es Antikörper gegen Krankheitserreger wie Viren und Bakterien bildet. Da der kindliche Körper sich in den ersten Jahren noch massiv gegen Viren und Bakterien in Form von Infekten wehren muss, ist das lymphatische Gewebe groß und kräftig und bildet bei jedem Infekt Antikörper.

Die konkrete Ursache für das zeitweilige starke Anschwellen ist bislang unklar, Mediziner vermuten aber, dass eine familiäre Veranlagung oder auch die in diesem Alter gehäuft auftretenden Infekte der oberen Atemwege die Auslöser sein könnten.

Welche Auswirkungen haben vergrößerte Polypen?

Vergrößerte Rachenmandeln treten bei Kindern besonders oft zwischen dem dritten und siebten Lebensjahr auf, eine Häufung ist bei Vier- bis Fünfjährigen zu sehen. Diese Entwicklung endet häufig im Schulalter und spätestens im Erwachsenenalter bilden sich die Rachenmandeln wieder zurück. Stark vergrößerte Rachenmandeln bringen eine Reihe von gesundheitlichen Begleiterscheinungen mit sich.

    Dazu zählen:
  • Lautes Schnarchen
  • verstopfte Nase
  • dadurch bedingt verstärkte Mundatmung
  • anhaltender Husten
  • Hörprobleme

Diese Probleme entstehen, weil die vergrößerten Polypen die hinteren Nasenöffnungen zu einem großen Teil verlegen, wodurch die Nasenatmung beeinträchtigt wird. Vor allem das Schnarchen kann bei Kindern zu Schlafproblemen führen und auch Auswirkungen auf ihr Tagesverhalten haben. Sie können durch die unausgiebige Nachtruhe unaufmerksamer und leichter gereizt sein, auch ihre Konzentrationsfähigkeit kann beeinträchtigt werden.

Andere Folgen können Mittelohrentzündungen oder Hörstörungen sein, da durch die vergrößerten Rachenmandel der gleich daneben liegende Eingang zum Mittelohr verlegt werden kann. Dies verschlechtert die Belüftung des Mittelohrs, zusätzlich kann sich darin auch Flüssigkeit ansammeln, was als Paukenerguss bezeichnet wird. Beides führt dazu, dass kein Druckausgleich mehr möglich ist und sich das Infektionsrisiko erhöht. Zu betonen ist, dass ein Paukenerguss auch ohne vergrößerte Rachenmandeln entstehen kann.

Im schlimmsten Fall können die Probleme mit den Ohren und damit verbundene Hörschwierigkeiten gerade im Kleinkindalter zu Verzögerungen bei der Sprachentwicklung führen. Aber auch andere Folgeerkrankungen von Mittelohrentzündungen, wie Sekretdurchbruch, Schwerhörigkeit oder Meningitis sind nicht vollständig ausgeschlossen. Da das Atmen durch die Nase schwer fällt und Kinder deshalb zur Mundatmung neigen, werden wiederum die Schleimhäute der Atemwege trockener und sind anfälliger für Infekte.

Bei einem gleichzeitigen Anschwellen von Rachenmandeln und Gaumenmandeln kann es außerdem zu Schluckproblemen kommen, weshalb einige Kinder kaum essen oder trinken wollen.

Wann muss mein Kind zum Arzt?

Treten gleichzeitig mit den Symptomen einer Rachenmandelentzündung auch Fieber oder starke Ohrenschmerzen auf, deutet dies auf eine Mittelohrentzündung hin, die so bald wie möglich von einem Arzt behandelt werden sollte.

Ansonsten wird Eltern geraten, bei mehreren Wochen andauernden Beschwerden mit ihrem erkrankten Kind zu einem Hals-Nasen-Ohren-Arzt (HNO) zu gehen. Dieser sollte genau nach den vorhandenen Symptomen fragen und den Rachen und die Ohren einer Untersuchen unterziehen. Eventuell wird auch ein Hörtest vorgenommen, um dem Verdacht auf Rachenmandelentzündung nachzugehen.

Ist eine Operation notwendig?

In manchen Krankheitsfällen gehen die Beschwerden von selbst wieder zurück, bei plötzlich auftretenden Problemen kann der Arzt aber auch schleimlösende Mittel, abschwellend wirkende Nasentropfen oder Antibiotika verabreichen. Eine operative Entfernung der Polypen sollte erst dann in Betracht gezogen werden, wenn die vergrößerten Rachenmandeln bei einem Kind zu anhaltenden Beschwerden führen, die seine Gesundheit maßgeblich beeinträchtigen oder wenn der kleine Patient dadurch oft eine Mittelohrentzündung erleidet.

Die Operation, auch Adenotomie genannt, dauert nur wenige Minuten und wird meist unter Vollnarkose durchgeführt. Durch den geöffneten Mund werden dabei die Rachenmandeln abgescharbt bzw. entfernt, zusätzlich wird auch jene Flüssigkeit abgesaugt, die sich aufgrund der vergrößerten Polypen im Mittelohr angesammelt hat.

In seltenen Fällen ist diese Flüssigkeit so dick, dass sie nicht vollständig abgesaugt werden kann und ein winziges, sogenanntes Paukenröhrchen eingesetzt werden muss, das ein Ablaufen der Flüssigkeit erleichtert. Nach einigen Monaten löst sich dieses Röhrchen von selbst und fällt in den äußeren Gehörgang, von wo es der HNO-Arzt ohne Probleme entfernen kann.

Wenn keine anderen Erkrankungen oder Probleme bei der Blutgerinnung vorliegen, kann die Operation ambulant durchgeführt werden. Der junge Patient wird dann meist noch am selben Tag oder nach einer Nacht aus dem Krankenhaus entlassen. Am Tag nach der Operation wird das Kind meist nochmals von einem HNO-Arzt untersucht. Die Entfernung der Gaumenmandeln (Tonsillektomie) ist gleichzeitig mit der Adenotomie möglich, dieser Eingriff ist aber meist mit einem mehrtägigen Krankenhausaufenthalt verbunden.

Die Operation verläuft beim Großteil der Patienten erfolgreich und die Beschwerden sind danach verschwunden. Nur in wenigen Fällen kommt es zu einem Nachwachsen der Rachenmandeln. Durch die Mundsperre während dem Eingriff können sich einige Milchzähne lockern, nachträglich kann das Kind noch Schmerzen beim Schlucken verspüren. Bei manchen Patienten treten nach der Operation Nachblutungen auf. Passiert dies, sollte sofort ein Krankenhaus aufgesucht werden, da der Blutverlust unter Umständen auch sehr groß sein kann.

Ansonsten ist darauf zu achten, dass der Patient in den ersten zwei Tagen nach dem Eingriff nur flüssige bzw. weiche Nahrung wie Suppe oder Brei zu sich nimmt und auf reizende Speisen, also auf Würziges, Scharfes und Saures verzichtet. Ein bis zwei Wochen lang sollten außerdem körperliche Belastungen wie Sport vermieden werden. Heißes Duschen, ein warmes Bad, Saunagang oder langer Aufenthalt in der Sonne sollten in diesem Zeitraum ebenfalls unterlassen werden. Diese Aktivitäten können die Blutfülle im Kopf verstärken und somit das Risiko für Nachblutungen erhöhen.

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