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Mutter-Kind-Kur

Unter eine Mutter-Kind-Kur versteht man einen stationären, zeitlich begrenzten Kuraufenthalt, der in einer Krisensituation praktische und emotionale Entlastung bringen soll. In Deutschland ist dieses Konzept bereits weit verbreitet und sogar gesetzlich verankert. Österreich hinkt diesbezüglich noch deutlich hinterher.

Wenn familiäre, persönliche oder gesundheitliche Belastungssituationen aus dem Ruder laufen, besteht die einzige Erholungs-Chance für Betroffene oftmals darin, Abstand vom Alltag zu gewinnen. Frauen sind besonders gefährdet, da sie täglich unterschiedliche Rollen als Hausfrau, Mutter, Ehefrau und Berufstätige erfüllen müssen.

Voraussetzungen

Bei einer Mutter-Kind-Kur handelt es sich in erster Linie um eine Präventivmaßnahme. Der Aufenthalt in einer entsprechenden Einrichtung soll verhindern, dass ernsthafte Gesundheitsgefährdungen entstehen oder es zur Verschlimmerung einer bereits bestehenden Krankheit kommt. Berücksichtigt sind in diesem ganzheitlichen Konzept immer auch die Kinder, da man mittlerweile weiß, dass sich ein ernst zu nehmender Zustand der Mutter langfristig gesehen auch negativ auf das Kind auswirken kann. Grundsätzlich anspruchsberechtigt sind in Deutschland alle Mütter, die krank beziehungsweise aufgrund eines schlechten gesundheitlichen oder psychischen Zustands gefährdet sind. Folgende Symptome treten auf der physischen Ebene, häufig auch in Kombination, auf:

  • Schlafstörungen und daraus resultierende chronische Müdigkeit
  • Chronische Schmerzen wie beispielsweise Rückenschmerzen
  • Starke Stimmungsschwankungen und Gereiztheit
  • Erkrankungen des Bewegungsapparates
  • Mittelschwere bis schwere Erkrankungen z.B. Krebs, Nierenleiden, Herzerkrankungen

Eine Studie des Müttergenesungsnetzwerks zeigt darüber hinaus, dass psycho-soziale Aspekte ebenfalls eine große Rolle spielen. Viele Mütter gehen täglich über die eigenen Grenzen. Sie nehmen eigenen Bedürfnisse und Wünsche gar nicht mehr wahr. Das führt dazu, dass sie mit der Zeit nicht mehr wissen, wie sie entspannen oder Gutes für sich selbst tun können. In Kombination mit dauerhaften Belastungsfaktoren aus dem alltäglichen Leben, entsteht daraus ein Teufelskreis, der nur schwer zu durchbrechen ist. Traumatische Erlebnisse wie der Tod eines geliebten Menschen oder der Verlust des Arbeitsplatzes können die ohnehin schon angespannte Situation dramatisch verschlimmern. Unter Dauer-Druck stehen aber auch jene Frauen, die für die Pflege eines Angehörigen verantwortlich sind. All jene Faktoren können dazu führen, dass Mütter irgendwann nicht mehr in der Lage sind, den Alltag zu bewältigen. Sie fühlen sich überfordert, müde und kraftlos. Genau an diesem Punkt setzen Mutter-Kind-Kuren an.

Kuraufenthalt

Ein entsprechender Kuraufenthalt ist bei der zuständigen Krankenversicherung zu beantragen. Die erforderlichen Antrags-Formalitäten variieren je nach Versicherungsanstalt, ein ärztliches Attest ist jedoch unumgänglich. Der Arzt/die Ärztin muss Gründe und Indikationen für die Kur glaubhaft darlegen. Häufig ist von der Mutter auch ein so genannter Selbstauskunftsbogen auszufüllen. Anhand dieses Formulars stellt die Mutter ihre Situation und alle damit einhergehenden Belastungsfaktoren ausführlich dar. Bereits in der Antragsphase spielen Wohlfahrtsorganisationen wie das Müttergenesungsnetzwerk oder das Mutter-Kind-Hilfswerk eine große Rolle. Sie beraten Mütter von Anfang an und helfen ihnen dabei, alle erforderlichen Dokumente und Formulare einzubringen. Wird eine Mutter-Kind-Kur bewilligt, gilt dies im Normalfall für einen Aufenthalt von 3 Wochen. In Ausnahmefällen (wenn das gewünschte Behandlungsziel nicht erreicht wurde) ist eine Verlängerung (in Absprache mit dem betreuenden Ärzteteam und der Versicherungsanstalt) möglich. Finanziell gesehen ist von der Mutter ein Selbstbehalt von 10 Euro pro Tag zu leisten, außer es liegt eine Befreiung vor. Wird im Rahmen des Aufenthaltes auch das Kind behandelt, übernimmt diese Kosten bei Vorliegen eines entsprechenden Attests ebenfalls der Versicherungsträger.

Behandlungskonzept

Im Rahmen einer Mutter-Kind-Kur erhalten Mütter (manchmal auch Kinder) zwar eine verordnete Auszeit, mit einem Urlaub sollte die Kur dennoch nicht verwechselt werden. Zu Beginn des Aufenthalts gibt es Gespräche mit ÄrztInnen und PsychologInnen, anschließend wird ein individueller Behandlungsplan erstellt. Dieser beinhaltet unterschiedlichste Maßnahmen, die zur Genesung der Patientin und zur Erhaltung des Gesundheitszustandes beitragen sollen. Bei den potentiellen Interventionen unterscheidet man medizinische Behandlungen und psycho-soziale Beratungen.

Folgende medizinische Therapien kommen am häufigsten zum Einsatz:

  • Spezielle Medikation gemäß des Krankheitsbildes
  • Physiotherapie
  • Heilmassagen
  • Heilgymnastik/Rückenschule
  • Heilbäder
  • Entspannungsübungen

Beratung durch geschulte SozialpädagogInnen und/oder TherapeutInnen beziehen sich meist auf folgende Aspekte:

  • Umgang mit der eigenen Krankheit
  • Stärkung von Selbstwert- und Verantwortungsgefühl
  • Erziehung
  • Ernährung
  • Haushaltführung
  • Entspannung

Mutter-Kind-Kuren liegt das Konzept der Salutogenese zu Grunde. Die Patientin, in dem Fall die Mutter, wird in ihrer Gesamtheit betrachtet. Die Krankheit steht nicht für sich alleine. Hinzugerechnet werden individuelle, psychische und soziale Belastungsfaktoren, die in der Therapie ebenfalls eine große Rolle spielen.

Ziel einer Mutter-Kind-Kur ist es, nicht nur situative, sondern langfristige Erfolge zu erzielen. Das bedeutet, Mütter werden darauf vorbereitet in der Zeit nach der Kur selbstständig und eigenverantwortlich zu agieren. Sie lernen Strategien, die sie sozusagen in den Alltag mitnehmen und im täglichen Leben anwenden können.

Erhält die Mutter eine Kur-Bewilligung gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten für die Unterbringung der Kinder. Entweder sie werden zu Hause vom Vater oder Verwandten betreut, bei Bedarf steht eine Sozialarbeiterin/ein Sozialarbeiter unterstützend zur Seite. Oder die Kinder begleiten die Mutter zur Kur. Sie werden vor Ort beaufsichtigt und je nach Alter auch 2-3 Stunden pro Tag unterrichtet. Zusätzlich gestalten SozialpädagogInnen ein abwechslungsreiches Nachmittagsprogramm für die Kinder, so dass sich Mütter vollständig auf ihre Therapien konzentrieren können.

Vater-Kind-Kur

In Deutschland können vereinzelt auch Vater-Kind-Kuren in Anspruch genommen werden. Sie funktionieren nach demselben Prinzip wie Mutter-Kind-Kuren, es gibt jedoch weitaus weniger Kuranstalten, die solche Aufenthalte anbieten. Vater-Kind-Kuren richten sich an chronisch kranke Kinder und ihren Vater als Begleitperson oder aber auch an chronisch kranke Väter, die ihre Kinder zur Kur mitnehmen wollen oder müssen. Als Begleitpersonen werden Väter jedoch nur bewilligt, wenn sie den Großteil der Erziehungsarbeit leisten oder die Mutter das Kind aus beruflichen oder familiären Gründen (Betreuung der Geschwisterkinder, Pflege eines Angehörigen) nicht zum Kuraufenthalt begleiten kann.

Eltern-Kind-Kuren in Österreich

In Österreich sind Mutter-Kind/Vater-Kind-Kuren weitgehend unbekannt. Teilweise gibt es jedoch Pilotprojekte von Sozialversicherungsanstalten, die die Idee der Mutter-Kind-Kur aufgreifen und ähnliche Aufenthalte anbieten wie beispielsweise das Projekt „MIA-Miteinander Auszeit“ der Oberösterreichischen Gebietskrankenkasse in Zusammenarbeit mit der Pro Mente und dem Land Oberösterreich. Außerdem engagiert sich der österreichische Verein „MUKIKU“ ebenfalls dafür, dass Mutter-Kind-Kuren in das Programm der Krankenkassen aufgenommen werden. 

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Kommentar von Andrea Hoffmann |

Kennt jemand Kuraufenthalte für Mutter mit Kind in der Nähe der Österreichischen Grenzen? mfg, Andrea H.

Kommentar von Walter S. |

Hallo Andrea, es gibt einige Kurhäuser in Deutschland an der Österreichischen Grenze, müsste nur wissen, wo du etwas suchst. Viele Grüße, Walter. S.

Kommentar von jasna |

Hallo, ich wohne in Wien und suche einen Kur, die nicht so weit ist
Lg

Kommentar von julia |

Kann man aus ganz Österreich einen Antrag für eine Mutter-Kind-Kur stellen? Welche Krankenkassen unterstützen das?

Kommentar von Eveline |

Meine Tochter hat Morbus Chron und Osteoporose. Gibt es in Österreich Reha Kliniken für chronisch kranke Kinder. Kann mir jemand darüber Auskunft geben?
Flug Eveline

Kommentar von Kiesenhofer Marita |

Sehr geehrte Damen und Herren!
Gibt es Vordrucke bzgl. Widerspruch, wenn eine Mutter-Kind-Kur abgelehnt worden ist?

Der Antrag wurde von MIA (Miteinander Auszeit) aus mir unerklärlichen Gründen abgelehnt.

Über eine kurzfristige Antwort würde ich mich sehr freuen!

Herzlichen Dank und viele Grüße,

Maria Kiesenhofer

Kommentar von v.loeffler |

Ein Weg zur Mutter-Kind-Kurmaßnahme kann idealerweise über eine unserer bundesweit 1.400 Beratungsstellen im Verbund des Müttergenesungswerkes führen. Wir begleiten die Mütter durch das gesamte Antragsverfahren, bei der inhaltlichen und organisatorischen Vor-bereitung sowie bei der gezielten Nachsorge im Anschluss an die Maßnahme. Unter: www.muettergenesungswerk.de, https://www.facebook.com/muettergenesungswerk oder Tel. 030 330029-29 finden die Mütter eine Beratungsstelle in ihrer Nähe. Die Beratung ist kostenlos und bei Bedürftigkeit können wir auch finanzielle Unterstützung zum Beispiel für Zuzahlungskosten durch Spendenmittel des Müttergenesungswerkes leisten.

Kommentar von Esta |

Kann man auch mit Baby (meins ist jetzt im 5 Monat) in die Mutter-Kind Kur?

Kommentar von Daphne |

Wie steht´s heutzutage mit der Mutter Kind Kur? Dieser Bericht ist schon 3 Jahre alt. Ich möchte mich gerne informieren.