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Skelett- und Muskelentwicklung bei Kindern

Sitzen, stehen, gehen – damit Kinder dies können, müssen Skelett und Muskeln richtig entwickelt sein. Dabei spielen nicht nur das gesunde Heranwachsen im Mutterleib, sondern auch eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung in der Kindheit eine wichtige Rolle.

Aufbau des kindlichen Bewegungsapparates: Knochen, ...

Junge beim Arzt

Das menschliche Skelett besteht aus Schädel, Wirbelsäule, Arm- und Beinskelett sowie dem Brustkorb. Es setzt sich aus Knorpeln und Knochen zusammen und bildet mit den Skelettmuskeln den Bewegungsapparat. Zugleich geben die Knochen dem Körper Stabilität und schützen die inneren Organe.

Ein Säugling hat rund 300 Knochen und Knorpeln, ein Erwachsener durchschnittlich etwas mehr als 200. Die Knochen des Babys sind aufgrund des hohen Knorpelanteils noch biegsam und wachsen teilweise zusammen, wodurch sich die Anzahl später verringert.

Es gibt verschiedene Arten von Knochen: Einerseits Röhrenknochen wie Oberarm-, Oberschenkel oder Schienbeinknochen, die das Stützgerüst der Gliedmaßen bilden, erklärt der Mediziner Dr. Arne Schäffler auf dem Gesundheitsportal des Netzwerks deutscher Apotheker. Andererseits platte Knochen wie den Schädelknochen oder die Rippen, kurze Knochen wie die Handwurzel und unregelmäßige Knochen, etwa den Kiefer. Außerdem gibt es kleine, rundliche Knochen, die auch Sesambeine genannt werden und beispielsweise die Kniescheiben bilden.

Knochen bauen sich aus mehreren Schichten auf. Außen befindet sich die Knochenhaut, darunter das dichte Gewebe der Knochenrinde und im Inneren sind kleine Knochenbälkchen zu finden, zwischen denen vor allem Fettgewebe oder bei platten Knochen auch Knochenmark eingelagert ist. Kinderknochen haben zudem Wachstumsfugen – sogenannte Epiphysenfugen – dies sind knorpelige Schichten am dicken Ende der Knochen, die für das Längenwachstum verantwortlich sind. Sie verknöchern sich erst am Ende der Pubertät und beenden somit das Wachstum.

… Gelenke und Muskeln

Mehr als 100 Gelenke, über 600 Muskeln und zahlreiche Bänder verbinden die Knochen. Die menschlichen Gelenke sind unterteilt in Kugel-, Scharnier-, Sattel-, Ei- und Zapfgelenke sowie ebene Gelenke, so Schäffler. Die Gelenke sind von Knorpeln umgeben und stellen die Verbindungsstellen zwischen den Knochen dar, die ebenso wie Muskeln erst die Bewegungen des Körpers ermöglichen.

    Muskeln machen rund 60 Prozent des Körpergewichts aus. Es gibt insgesamt drei Muskelarten:
  • Willkürliche Muskulatur: Dazu zählen die Skelettmuskeln, die durch Sehnen mit Knochen verbunden sind und Bewegungen ermöglichen. Diese Muskulatur kann bewusst gesteuert werden
  • Unwillkürliche Muskulatur: Ist beispielsweise für Darmbewegungen bei der Verdauung zuständig und kann nicht bewusst gesteuert werden
  • Herzmuskel: Dieser Muskel arbeitet ebenfalls ohne bewusstes Zutun des Menschen, besitzt aber Struktureigenschaften der willkürlichen Muskulatur.

Entwicklung von Knochen und Muskeln beim Säugling

Schon in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten entwickelt sich langsam das Skelett des Kindes. Ab der neunten Woche bildet sich etwa die Wirbelsäule, ab dem sechsten Monat wird das Skelett langsam härter. Dabei entstehen in den noch knorpeligen Knochen Knochenkerne, die größer werden und miteinander verschmelzen.

Wenn das Kind auf die Welt kommt, hat es immer noch einen hohen Knorpelanteil in den Knochen, weshalb diese noch biegsam sind. Dies erklärt, warum sich kleine Kinder relativ selten Knochen brechen, führt aber auch zu einigen scheinbar abnormalen Knochenstellungen wie O- oder X-Beinen, die sich in den meisten Fällen aber wieder von selbst zurückbilden. Je nach Entwicklungsstufe müssen sich die biegsamen Kinderknochen auf immer neue Belastungen einstellen, etwa wenn das Kind laufen lernt. Damit die Knochen dem Einwirken der unterschiedlichen Kräfte standhalten, ist nicht nur eine gesunde Ernährung mit ausreichend Kalzium wichtig, sondern auch genügend Bewegung und zwar schon im Kleinkindalter.

Muskeln und Knochen spielen beim Knochenaufbau zusammen. Durch Belastung werden Muskeln gefordert und fördern wiederum den Aufbau und die Festigung der Knochen – erfolgt keine Belastung, kommt es zu einem Knochenabbau. Das macht Bewegung in der Kindheit so besonders wichtig, erläutert der Mediziner Eckhard Schönau im UGB-Forum, der Zeitschrift des Verbands für unabhängige Gesundheitsberatung in Deutschland (UGB).

Muskelentwicklung in der Kindheit

Neugeborene haben noch keine Kontrolle über ihre Muskeln, diese müssen sie erst erlernen und zwar von oben nach unten. Die Kontrolle der Muskulatur rund um den Kopf funktioniert zuerst: Mit etwa drei Monaten kann das Baby den Kopf schon selbst dauerhaft hochhalten, ein bis zwei Monate später hat das Kind die volle Kopfkontrolle, erklärt die deutsche Diplom-Pädagogin Melanie Lerch. Als nächstes folgen Arme, Schultern, Hände, dann Rücken, Hüften und Beine.

Babys, die noch nicht laufen oder krabbeln können, stärken ihre Muskeln schon durch wildes Strampeln mit Armen und Beinen. Legt man sie auf den Bauch, versuchen sie den Kopf zu heben und trainieren damit wiederum ihre Rückenmuskulatur. Auch Babyschwimmen oder das spätere Krabbeln auf unebenen Böden wirken sich positiv auf Haltung und Körpergefühl aus und sprechen unterschiedliche Muskelgruppen an.

Zwischen sieben und zehn Monaten beginnt meist irgendeine Art von Fortbewegung, vom Robben zum ersten Krabbeln. Mit neun bis zehn Monaten können viele Kinder schon selbstständig sitzen, da in diesem Alter die Hüft- und Rückenmuskulatur ausreichend ausgebildet ist. Mit einem halben Jahr kann ein Kind auf eigenen Beinen stehen, wenn man es hält. Mit zehn Monaten ist die Muskelkontrolle bis zu den Füßen gelangt, ein seitliches Gehen mit Anhalten ist möglich, vier bis sechs Monate später werden die ersten selbstständigen Schritte gemacht. Im Alter von eineinhalb Jahren stehen die meisten Kinder schon sicher auf den Beinen, mit 2,5 Jahren gelingt das Springen, mit drei Jahren das Treppensteigen, erläutert Lerch.

Bewegungsmangel stört Entwicklung

All diese Bewegungen in der frühen Kindheit schulen gleichzeitig die Muskeln, die Motorik und stärken die Knochen. Bewegungsmangel in der Kindheit und Jugend führt dagegen laut Schönau zu Haltungsschäden, ungenügendem Muskelaufbau, mangelnder Körperkondition und schadet damit der Knochengesundheit.

Ähnliches ist im deutschen Familienhandbuch des Staatsinstituts für Frühpädagogik (IFP) zu lesen. Vor allem in Stadt, wo Freiräume für Kinder durch Autos und verbautes Gebiet kleiner werden und Kinder öfter zuhause vor Fernseher oder Computer sitzen, kommt es zu einem Bewegungsmangel. Die Folgen: Lern-, Haltungs-, Verhaltens-, Wahrnehmungs- und Koordinationsstörungen und mehr Unfälle bzw. Stürze in Kindergarten und Volksschule aufgrund von mangelndem Gleichgewicht oder geringer Reaktionsfähigkeit.

Laut IFP brauchen Kinder für eine gesunde körperliche Entwicklung täglich mindestens zwei Stunden Belastungseinheiten, also richtige Bewegung bei der sie auch ins Schwitzen kommen. Es ist somit wichtig, dass Kinder ihrem natürlichen Bewegungsdrang nachgeben, vor allem bis zum elften oder zwölften Geburtstag. Im Vergleich dazu genügt Erwachsenen zwei bis dreimal pro Woche eine knappe Stunde Bewegung für den Erhalt ihrer Leistungsfähigkeit.

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