(Kommentare: 2)

Kind und Nahrungsmittelunverträglichkeit

Immer weniger Nahrungsmittel im Supermarkt, die nicht schon vorgefertigt oder einige Male behandelt (bestrahlt, besprüht, getaucht) in die Regale kommen. Selbst Obst und Gemüse erscheinen oft nur frisch und eine genauere Analyse zeigt auf, welcher Bearbeitungsweg hinter den hübschen Äpfeln liegt. Kein Wunder, dass vermehrt die Diagnose Nahrungsmittelunverträglichkeit ernsthaft in ärztlichen Befunden Einzug hält.

Milchflasche Laktose Vor wenigen Jahren wurde man noch als hysterische Mutter oder Vater abgetan wenn man den Verdacht äußerte, dass das Kind eigenartige Symptome an den Tag legt nachdem es bestimmte Nahrungsmittel zu sich nimmt. Voran gingen Auffälligkeiten beim Milchkonsum. Doch die standardisierten Überprüfungen in den Kliniken testeten meist nur auf Milchallergie und nicht auf Milchunverträglichkeit, wobei das eine das andere nicht ausschließt. Speziellere Tests waren meist nicht vorhanden, da zu teuer, also war häufig die Antwort der Ärzte: "Ihr Kind ist gesund, es hat keine Allergie auf Milch!" So hatten die Kinder einen Befund der bestätigte, dass sie an keiner Milchallergie litten, hatten aber trotzdem täglich mit Blähungen, Schweißausbrüchen, Müdigkeit, Konzentrationsmangel und oft noch gravierenderen Problemen im Alltag zu kämpfen.

Vergessen wird von Medizinern wie auch Eltern, dass bei einer Diagnose immer nur das diagnostiziert wird, was überprüft werden kann. Wenn ein Test eine Milchallergie negativ anzeigt, heißt das noch lange nicht, dass das Kind keine Milchunverträglichkeit hat usw. Die wenigen Eltern, die nicht selten mit der "Diagnose Overprotective" weiter auf der Suche um Heilung für ihr Kind blieben, landeten häufig bei alternativen Methoden, die das Leben der Kinder in vielen Fällen erleichtern konnten. Aber oft war es ein langer schmerzhafter Weg, begleitet von Entwicklungsverzögerungen und -auffälligkeiten und deren Sekundärproblemen (Schwierigkeiten in der Schule, mit Freunden, beim Sport etc.).

Feldkorn Interessierte Mediziner begannen sich nun auch im klassischen Bereich mit diesem Thema endlich zu befassen. Mittlerweile hatten sich die Unverträglichkeiten vermehrt und "verbreitert". Milchzucker-, Fruchtzucker- und Histaminunverträglichkeiten etc. sind mittlerweile für den Laien keine Unbekannten mehr und nach vielen erfolgreichen Behandlungen durch alternative und komplementäre Methoden ziehen diese Symptome nun endlich auch die Aufmerksamkeit der klassische Medizin auf sich. Bei Erwachsenen ist es meist einfacher eine Diagnose zu stellen, da ihr geistiges, psychisches und physisches Verhalten ausgereift ist und sie sich verbal mitteilen und ihre Symptome klarer beschreiben können. Vermutlich auch deswegen ist es im Bereich der Kinderdiagnostik noch viel schwieriger. Durch die verschiedenen Entwicklungsstadien und die mangelnde verbale Beschreibungsfähigkeit der Kinder wird die Diagnose oft verzerrt oder die Krankheit nicht erkannt.

Zucker Hier ist die Aufmerksamkeit der Eltern gefragt. Genaue Protokolle, was das Kind wann isst und trinkt und wie es danach in verschiedenen Zeitabschnitten reagiert sowie die Beschreibung der Schweißabsonderung, der Qualität des Stuhles und Farbe der Haut etc. sind wichtige Informationen für die richtige Diagnose. Hilfestellung um Symptomvergleiche anzustellen kann man mittlerweile in verschiedenen Foren und Homepages finden. Dann jedoch sollte wirklich ein absoluter Fachmann, der auch offen für alternative Methoden ist, beigezogen werden. Nur ein Mediziner der auch diese Forschungs- und Heilungsoffenheit besitzt, kann ernstzunehmend als Diagnostiker und Berater für weiteres Vorgehen, für die Schadensminimierung und Heilung konsultiert werden. Hier ist ein begleitender und ganzheitlicher Ansatz verlangt, da Kinder ja auch bei längerer Unverträglichkeit an Entwicklungsbeeinträchtigungen leiden können und daher zwischen "Anlage" und "Unverträglichkeitsbedingter Verzögerung" richtig analysiert und diagnostiziert werden muss um in weitere Therapien und Förderungen zu kanalisieren und um Langzeitfolgen auszuschließen oder zu minimieren.

Die Lebensumwelt des Kindes muss ausreichend informiert werden und entsprechende Anleitungen bekommen um das Kind in seiner Situation optimal unterstützen zu können (KleinkinderpädagogInnen, LehrerInnen, HorterzieherInnen, Tagesmütter, Omas etc.). Die Spanne der Auswirkungen reicht von selten spürbaren Reaktionen bis zu ganz schwer, auf mehreren Ebenen betroffenen Kindern.

Zurück

Einen Kommentar schreiben

Kommentar von Natalie |

Kann ein Kind so eine Intoleranz auch vererbt bekommen? Nachdem ich jetzt mein Ergebnis vom Histaminintoleranz Test vorliegen habe, mache ich mir Sorgen. Ich möchte sowas ungerne weitergeben.

Kommentar von Salima |

Der Text beschreibt genau was wir erlebt haben... als hätte ich ihn geschrieben. Leider hat dieser Ansazt aber noch immer nicht in die Schulmedizin Einzug gehalten. Nach wie vor wird man gelächelt wenn man dem Arzt sein Vermutung erzählt, dass die nächtlichen Schreiattacken und die verzögerte Sprachentwicklung sowie das Einnässen und das auffällige hyperaktive Verhalten mit der Nahrung zu tun haben könnte. Selbst sind wir mit langwieriger Auslassdiät dahintergekommen, konnten es heilen und heute leidet unser Kind nicht mehr an ADHS, ist nicht mehr aufflällig und förderungswürdig. Traurig ist, dass man immer noch selbst forschen und behandeltn muss, weil die wenigsten Mediziner dieses Thema ernst nehmen und aufgreifen und wenn man erwähnt bei einem Komplementärmediziner in Behandlung zu sein ist man beim Kinderarzt leider "unten durch" anstatt dass diese ihre Fachgebiete ergänzend verbinden und zusammenarbeiten. Mein Lob an diesen Bericht - er ist nur noch einen Tick zu optimistisch!
Melde dich zu unserem monatlichen Newsletter an!