Donnerstag, 24. August 2006 um 00:21
Schon im Vorfeld der Fußball-WM 2006 gerieten große Sportartikelhersteller wie Adidas, Nike oder auch Coca-Cola in das Kreuzfeuer kritischer Stimmen. Anlass dazu war das niedrige Lohnniveau der Fußball-NäherInnen in Pakistan, das die Familien dazu zwingt, ihre Kinder zur Arbeit zu schicken.
Zusammengenäht werden die Bälle in kleinen Nähwerkstätten im Umland der Stadt Sialkot im Norden Pakistans, aus der zwei Drittel der weltweiten Fußballproduktion stammen. Die Löhne der NäherInnen liegen dort im Schnitt bei 0,51 Euro pro Ball, wobei der Vorgang des Zusammennähens ungefähr zwei bis zweieinhalb Stunden dauert.

Durch den erhöhten Druck weltweiter Kinderschutzorganisationen und schlussendlich auch der großen Sportartikelhersteller, die einen Imageschaden befürchteten, dürfen heute keine Kinder unter 14 Jahren als Fußball-NäherInnen beschäftigt werden. Diese Regelung trat mit dem 1997 verabschiedeten "Atlanta-Abkommen" zwischen der Sialkoter Industrie- und Handelskammer (SCCI), der Weltarbeitsorganisation ILO und der UNICEF ein.
Laut Berichten der seit März 2003 eingesetzten "Independent Monitoring Association for Child Labour" (IMAC) wird die Einhaltung des Abkommens durch stichprobenartige Kontrollen in 95% der Werke um Sialkot überprüft. KritikerInnen bemängeln allerdings die Nachhaltigkeit dieses Abkommens, da die Kinderarbeit, um die Familien zu ernähren, einfach in andere, kaum kontrollierte Bereiche, verschoben worden sei. Darunter fallen Arbeitsbereiche wie die Teppichherstellung, Ziegeleien oder Autowerkstätten. Durch die erhöhte Marktkonzentration (Übernahme der Firma Reebok im Februar 2006) zwischen den Top-Sportatikelherstellern werden den NäherInnen und ihren Familien wohl auch in Zukunft keine besseren Arbeitsbedingungen zuteil werden.
Aber es gibt auch Positives zu berichten: Fairtrade bietet Fußbälle an, deren Produktionsauflagen - etwa das Lohnniveau der ArbeiterInnen - für eine wirkungsvolle Entwicklungszusammenarbeit sorgen. In einer
Übersichtsliste werden alle Weltläden aufgelistet, in denen die Bälle erhältlich sind. Ein gemeinsamer Einkauf mit den Kindern, insbesondere Buben, und ein wenig Information der VerkäuferInnen bezüglich der Herkunft des Balles kann so auch das soziale Interesse für faire Produkte bei unseren Kinder wecken.
