Rezension:
Das die vielen Veränderungen in unserer Gesellschaft Erwachsene wie Kinder vor emotional schwierige Situationen stellt ist kein Geheimnis und gehört zu unserem Alltag.
Zwischenmenschliche Kontakte sind ein zentraler Moment im Gefühl unserer Geborgenheit und stellen eine Grundlage in der Ausbildung unseres menschlichen Urvertrauens dar. Das viele Kinder in manchen Lebensphasen nicht soviel soziale Interaktionen haben wie ihr Zuneigungsbedürfnis es verlangt, führt oft zu unterschiedlichen Symptomen wie Misstrauen, Kontaktschwäche oder emotionale Unberechenbarkeit, die unter anderem als mögliche Formen einer Schizophrenie aufgefasst werden können.
Günther Horn, Psychoanalytiker und Autor des Buches, meint, dass im späteren Leben die Auswirkungen dieser Persönlichkeitsstörung immer wieder in den Vordergrund rücken, wenn es um Leben und Weiterleben geht oder wenn durch schwerwiegende Traumen die eigene Existenz als bedroht erlebt wird. Kritische Phasen in diesem Zusammenhang sind zum Beispiel die Geschlechtsreife oder der Verlust der Fortpflanzungsfähigkeit sowie auch die Nähe zum Tod. Diese Lebenskrisen fördern die Thematik Selbstmord in der gedanklichen Auseinandersetzung der Betroffenen.
Schizoide Persönlichkeiten finden sich auch häufig in leitenden Stellungen, in denen sie ihren fehlenden menschlichen Bezug durch Kontrolle über andere kompensieren. Als bedrohlich erleben sie das Gefühl "ihr Gesicht zu verlieren" oder "entblößt zu werden", da durch mangelndes Urvertrauen die Qualität des Selbstwertgefühls meist nur unzureichend entwickelt ist. Ohne entsprechende "Basis" ist die Gefahr bei Krisen jedoch sehr hoch, dass die Persönlichkeit kippt und unberechenbar wird. Schizoide Persönlichkeiten zeigen eine eingeschränkte Mimik, die Ausdruck einer mangelnden Lebendigkeit ist.
Die von Horn für Kinder und Jugendliche weiterentwickelte katathym-imaginative Psychotherapie regt Tagträume an und lenkt sie unter der Anleitung des Behandlers auf bestimmte Inhalte. Er bildet junge KollegInnen in diesem tiefenpsychologisch orientierten Verfahren aus. Die detaillierte Erläuterung seiner Methode zur Behandlung der Schizoidität, einer laut Horn häufig ignorierten Problematik, beschreibt er mit konkreten Beispielen in seinem Lehrbuch "Kindheit und Phantasie".
Fazit:
Sehr gut aber als einschlägige Fachliteratur zu betrachten und deswegen nicht für jedermann.