Dienstag, 24. Juli 2007 um 11:29
Kampf- und Fluchtreaktionen sind Verhaltensweisen die aus dem primitiven Teil des Gehirns, dem sogenannten Reptiliengehirn, gespeist werden. In der Paar- und Familiendynamik treten diese in Form von Nörgeln, abfälligen Bemerkungen und Aggressivität ans Tageslicht. Gelingt es, das zu überwinden, so findet man leichter eine harmonische Partnerschaft, so der US-Paar-Psychologe Don Ferguson.

Im Hinblick darauf, dass wir die Vorbilder im Bereich Eltern und Paarverhalten sind, erscheint es sinnvoll, sich diesem Thema einmal näher zuzuwenden. Wenn Paare in Krisenzeiten geraten werden sie mit einer Fülle von guten Tipps und Ratschlägen des Umfeldes versorgt. Doch die Umsetzung dieser erweist sich meist als schwieriges Unterfangen. Viele Paare scheitern unter dem selbst auferlegten Druck. Hat das Paar schon einige Fehlschläge erlebt, müssen erst jede Menge Hindernisse aus dem Weg geräumt werden um wieder zu Intimität und Nähe zu gelangen. Zu früh abverlangte Nähe bewirkt sehr oft das Gegenteil. So ist es sinnvoll, zuerst die emotionale Intensität und die Ã?â??ngste zu dämpfen und die Liebesbeziehung ähnlich wie eine Geschäftsbeziehung zu führen. Bewährt sich diese "kühle"?? Beziehung und ist die Vertrauensbasis auf der scheinbaren Oberfläche wieder tragfähig "?? hier geht es um Sicherheit und Gemeinsamkeiten "?? ist die Basis gegeben, auch wieder mehr Tiefe zuzulassen.
Für die Verbesserung einer Beziehung ist es notwendig, auch sein eigenes Denken und Verhalten zu reflektieren, meint Ferguson. Ein ausgiebiger Blick auf die eigenen Reaktionen bei Stress, dem Muster für Paarbeziehungen und auf die Verhaltensmuster in der Herkunftsfamilie sind unumgänglich für einen Neubeginn, der zu einer harmonischen Beziehung führen soll. Gegenseitige Erwartungshaltungen und damit auch die offensichtliche Überforderung der Partner müssen offengelegt und vor dem Hintergrund der beiden Herkunftsfamilien reflektiert werden. In einem Beziehungskontrakt werden viele Themen meist nicht angesprochen sondern als gegeben angenommen. Wird die Erwartung nicht erfüllt (unabhängig ob sie erfüllbar ist oder nicht) setzt Enttäuschung häufig das Reptiliengehirn in Gang und so manches Unglück nimmt hier seinen Lauf. Um unseren Kinder Leid ersparen zu können, ist das Vorleben der Konfliktbearbeitung eine Voraussetzung. Zeitgerechtes
Erkennen, aktives Reflektieren, bewusstes Gestalten meiner Persönlichkeit wie auch meiner Beziehungen sind die notwendige Eckpfeiler für eine harmonische Paarbeziehung.
Mehr darüber in dem Paar-Ratgeber "Krokodile küsst man nicht"?? von Don Ferguson. Erschienen im
Patmos-Verlag
www.patmos.de
