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11. Februar 2012 Design-Element
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Donnerstag, 21. Februar 2008 um 08:28

Zerriebene Kinderseelen - Traumaproduzierende Eltern

Mein mir vielleicht karmisch zugeordneter Ehegatte, ich und unser jüngster Prinz verbringen seit sechs Tagen die Semesterferien in einem überaus nettem Schi- und Wellnesshotel in Bad Hofgastein. Die Leistungen des Hotels sind 95 % zufrieden stellend. Also frage ich mich, warum zwei Tische weiter, tagtäglich ein Ehepaar in mittlerem Alter mit zitronensaurem Gesicht den Frühstücks- und Abendtisch belagerte.

Tannenblatt Zwischen der vor grauschwarzen Energieschwaden umgebenden Dame und dem selbstzerfressendem Herrn sitzt regelmässig ein hübscher rotgelockter zwölfjähriger Junge, der versucht dieses offensichtlich zerbröselnde Paarsystem mit letzter Kraft zusammen zu halten. Statt mit anderen Jungs seines Alter die Hotelgänge unsicher zu machen sowie erste zarte Kontakte mit dem anderen Geschlecht im Smalltalk zu üben, sitzt er brav zwischen seinen Eltern und versucht gute Stimmung zu verbreiten. Mindestens zweimal täglich denke ich mir bei diesem Anblick: Wann wird dieses arme Geschöpf unter dem moralischem (selbst- oder fremdaufgelegtem) Druck "Wie verhindere ich eine Trennung meiner Eltern!" zusammenbrechen.

Statt mich auf das üppige Buffet zu konzentrieren rumoren verschiedenste Gedanken durch meinen Kopf. Wie werden seine Beziehungen und Partnerschaften aussehen? Wie viele Therapien wird er benötigen um den Rucksack seiner Vergangenheit aufarbeiten zu können? Am liebsten würde ich an den Tisch gehen und den Eltern sagen, dass täglicher Griesgram für ein Kind nicht erträglich ist und eine elterliche Trennung für das Kind sodann eine "gesündere" Lebensform darstellen könnte.

Aber ich bin ja auf Urlaub... und ich habe keinen Auftrag zu beraten... trotzdem ist es unerträglich, dieses "dauergestresste" Kind zu sehen, es im Raum zu spüren, seine Bemühungen des "Paarflickens" zu beobachten. Abgestumpfte Therapeuten würden mir jetzt ein Abgrenzungsproblem diagnostizieren, Esoteriker eine Seelenerinnerung...

Ich für mich stelle fest, dass meine Gefühle noch halbwegs intakt sind, da ich trotz meiner jahrelangen therapeutischen Tätigkeit mit Menschen und deren Situationen noch immer mitfühlen kann. Und ich nehme dieses Bild mit mir um meine Kinder, soweit es mir gelingt, vor ausufernden Missstimmungen meinerseits, zu schonen. Es wird mir sicher auch in Zukunft nicht immer gelingen meine Emotionen in Griff zu haben, aber verkürztes Schmollen mit einem anschließend transformiertem Lachen wäre schon ein Gewinn für meine Kinder. Diese Einsicht wünsche ich auch den Eltern des rotgelockten Jungen, damit dieser auch noch ein paar Jahre Jugend leben kann.
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